01.10.2005

EU VS. USA

Nächste Runde im Streit über Netzkontrolle

Schon seit Jahren gibt es heftige Diskussionen darüber, wer die Netz-Polizei, welche für die Namensraumverwaltung und das Traffic-Routing im weltweiten Netz zuständig ist, stellen sollte.

Derzeit hat die halbprivate ICANN [Internet Corporation for Assigned Names and Numbers] die Netzverwaltung inne.

Wegen anhaltender Unzufriedenheit mit der von den USA eingesetzten ICANN wurde die Forderung nach einer internationalen, unabhängigen Verwaltungsstelle für das World Wide Web laut.

Die EU möchte dabei den Vereinten Nationen [UNO] einen größeren Stellenwert einräumen, und auch diese selbst erklärt sich bereit für eine Machtübernahme.

Vorschläge erarbeitet

Die Working Group on Internet Governance [WGIG] der UN hat insgesamt vier verschiedene Modelle für die Netzkontrolle ausgearbeitet.

So könnte die UNO-Einrichtung "Global Internet Council", bestehend aus Mitgliedern der Regierungen und "anderer Interessengruppen", geschaffen werden, welche die Ausicht über die ICANN von den USA übernimmt.

Ein anderer Vorschlag ist die Weiterführung des bestehenden Systems mit neuem Schwerpunkt auf offizielle Diskussion aller Netz-Angelegenheiten. Auch könnte die ICANN auf ihre technische Rolle geschrumpft werden und stattdessen ein International Internet Council außerhalb der UNO geschaffen werden.

Frostige Antwort aus den USA

"Wir sind bereit, die Leitung des Internets von den USA zu übernehmen", erklärte nun Yoshio Utsumi von der International Telecommunications Union [ITU] der Vereinten Nationen."Wir könnten sofort anfangen, wenn wir gefragt würden."

Man habe Erfahrung am Gebiet der Kommunikation, seiner Struktur und der Kooperation von privaten und staatlichen Gruppen und sei daher am besten für diese Rolle geeignet.

Doch die USA stellen weiterhin unmissverständlich klar, dass sie gar nicht daran denken, die Verwaltung des Internets aus der Hand zu geben. "Wir werden dem nicht zustimmen," so David Gross vom U.S. State Department.