Anti-Zensur-Leitfaden für Weblogs
Weblogs, kurz Blogs, sind für die einen ein Weg, ihre persönliche Befindlichkeit auszudrücken, für andere der einzige Weg, ihre persönliche Meinung äußern zu können.
Nicht in allen Staaten dieser Welt ist die freie Meinungsäußerung ein geschätztes Gut der Allgemeinheit, in einigen ist sie bekanntlich strikt verboten.
Mit einem eigenen Leitfaden will Reporter ohne Grenzen nun Hilfestellung geben, wie Blogger aus Ländern wie China, dem Iran und Kuba die strikten Netzregeln ihres Landes umgehen und ihre Meinungen äußern können, ohne dabei rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.
In Malaysia droht per Gesetz für falsches, unanständiges und anstößiges Posten im Netz bis zu ein Jahr Gefängnis. Die Online-Welt sei kein legales Vakuum, so der offizielle Communications and Multimedia Content Code, der seit letztem Jahr in dem Land gilt.
Blogs für freie Meinungsäußerung geehrtEthische Richtlinien
Das nun vorgestellte Handbuch bezeichnet Blogger als die "neuen Vorboten der freien Meinungsäußerung".
Sie seien in Ländern, wo die Medien zensuriert oder unter Druck stehen würden, oft die einzigen Journalisten, so die Organisation Reporter ohne Grenzen.
Neben Anleitungen etwa zum Anlegen eines eigenen Weblogs oder zur Umgehung der Zensur kommen darin auch Blogger selbst zur Wort, wie etwa der Iraner Arash Sigarchi, der eine Haftstrafe von 14 Jahren abbüßen soll, aber derzeit auf sein Berufungsverfahren wartet.
Das Handbuch gibt auch Hilfestellung dabei, wie ein Blogger sich Glaubwürdigkeit verschaffen kann, indem er die ethischen und journalistischen Grundregeln im Auge behält.
Das "Handbook for Bloggers and Cyber-Dissidents" kann von der Website der Reporter ohne Grenzen heruntergeladen werden und ist in den Sprachen Englisch, Französisch, Chinesisch, Arabisch und Farsi erhältlich.
Das Handbuch [pdf, Zensur-Umgehung ab Seite 33]China ist Zensur-Weltmeister
Ein ganzes Kapitel des Handbuchs widmet sich übrigens der Weltmeisterschaft der Internet-Zensur.
Wenig überraschend führt dabei China, das erst jüngst mit einem Fall, bei der Suchmaschinen-Anbieter Yahoo beim Aufspüren eines Systemkritikers mithalf, auf sich aufmerksam gemacht hat.
Zensur im Dienste des Landes
Yahoo hatte E-Mail-Daten herausgegeben, die zur Verhaftung und
schließlich zur Verurteilung des systemkritischen chinesischen
Journalisten Shi Tao zu zehn Jahren Haft beigetragen haben.
Proteste wegen Yahoos Rolle in ChinaAuch Microsoft und Google kamen immer wieder wegen ihrer systemgefälligen Handlungen in die Kritik.
Keine "Freiheit" in Microsoft-BlogsUS-User lieben es persönlich
Laut einer aktuellen Umfrage posten US-Blogger übrigens in erster Linie persönliche Dinge und weniger über Politik oder aktuelle Ereignisse.
Über 65 Prozent gaben in der Umfrage, im Auftrag des US-Providers AOL, an, dass sie über alles und jedes bloggen würden, 62 Prozent über die Familie, dann folgen Freunde, Hobbys, sich selbst, den Job, dann erst Nachrichten und Tratsch.
Befragt, warum sie andere Weblogs lesen, gab mehr als die Hälfte "zur Unterhaltung" an, 44 Prozent wollen sich eine andere Sicht der Dinge verschaffen, 35 Prozent schätzen die Interaktivität mit anderen Postern.
Nur 22 Prozent sehen in Weblogs eine leichte Möglichkeit, an die aktuellsten Neuigkeiten zu gelangen.
Jede Sekunde ein neues WeblogWeblogs als Therapie
Mehr als 48 Prozent sehen im Bloggen eine Form der Therapie, 40 Prozent bleiben über ihr Weblog in Kontakt mit ihrer Familie, 29 Prozent wollen mit ihrem Blog ihren Schreibstil verbessern. Nur 16 Prozent interessieren sich für Journalismus, fast genauso viele folgen einfach dem Trend.
