23.09.2005

OHNE GRENZEN

Anti-Zensur-Leitfaden für Weblogs

Weblogs, kurz Blogs, sind für die einen ein Weg, ihre persönliche Befindlichkeit auszudrücken, für andere der einzige Weg, ihre persönliche Meinung äußern zu können.

Nicht in allen Staaten dieser Welt ist die freie Meinungsäußerung ein geschätztes Gut der Allgemeinheit, in einigen ist sie bekanntlich strikt verboten.

Mit einem eigenen Leitfaden will Reporter ohne Grenzen nun Hilfestellung geben, wie Blogger aus Ländern wie China, dem Iran und Kuba die strikten Netzregeln ihres Landes umgehen und ihre Meinungen äußern können, ohne dabei rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

Ethische Richtlinien

Das nun vorgestellte Handbuch bezeichnet Blogger als die "neuen Vorboten der freien Meinungsäußerung".

Sie seien in Ländern, wo die Medien zensuriert oder unter Druck stehen würden, oft die einzigen Journalisten, so die Organisation Reporter ohne Grenzen.

Neben Anleitungen etwa zum Anlegen eines eigenen Weblogs oder zur Umgehung der Zensur kommen darin auch Blogger selbst zur Wort, wie etwa der Iraner Arash Sigarchi, der eine Haftstrafe von 14 Jahren abbüßen soll, aber derzeit auf sein Berufungsverfahren wartet.

Das Handbuch gibt auch Hilfestellung dabei, wie ein Blogger sich Glaubwürdigkeit verschaffen kann, indem er die ethischen und journalistischen Grundregeln im Auge behält.

China ist Zensur-Weltmeister

Ein ganzes Kapitel des Handbuchs widmet sich übrigens der Weltmeisterschaft der Internet-Zensur.

Wenig überraschend führt dabei China, das erst jüngst mit einem Fall, bei der Suchmaschinen-Anbieter Yahoo beim Aufspüren eines Systemkritikers mithalf, auf sich aufmerksam gemacht hat.

US-User lieben es persönlich

Laut einer aktuellen Umfrage posten US-Blogger übrigens in erster Linie persönliche Dinge und weniger über Politik oder aktuelle Ereignisse.

Über 65 Prozent gaben in der Umfrage, im Auftrag des US-Providers AOL, an, dass sie über alles und jedes bloggen würden, 62 Prozent über die Familie, dann folgen Freunde, Hobbys, sich selbst, den Job, dann erst Nachrichten und Tratsch.

Befragt, warum sie andere Weblogs lesen, gab mehr als die Hälfte "zur Unterhaltung" an, 44 Prozent wollen sich eine andere Sicht der Dinge verschaffen, 35 Prozent schätzen die Interaktivität mit anderen Postern.

Weblogs als Therapie

Mehr als 48 Prozent sehen im Bloggen eine Form der Therapie, 40 Prozent bleiben über ihr Weblog in Kontakt mit ihrer Familie, 29 Prozent wollen mit ihrem Blog ihren Schreibstil verbessern. Nur 16 Prozent interessieren sich für Journalismus, fast genauso viele folgen einfach dem Trend.