Gewinneinbruch bei Siemens

q2 2007/08
30.04.2008

Der Technologiekonzern Siemens hat im vergangenen Quartal wie erwartet einen Gewinneinbruch erlitten.

Vor allem missratene Projekte im Kraftwerksbau und in der Zugsparte sowie Sanierungskosten für das zum Verkauf stehende Telefonanlagengeschäft SEN drückten den Gewinn im zweiten Geschäftsquartal 2007/08 [von Jänner bis März] verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um zwei Drittel auf 412 Millionen Euro, wie Siemens am Mittwoch in München mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 451 Millionen Euro gerechnet.

Der Umsatz sei um zwei Prozent auf 18,1 Milliarden Euro gewachsen, teilte Siemens mit. Trotz der hohen Zuwächse beim Auftragseingang von 15 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro rechnet Siemens-Chef Peter Löscher im laufenden Jahr mit stagnierenden Gewinnen im operativen Geschäft.

Sanierungskosten und Schmiergeldaffäre

Aus der Trennung von SEN werde ein erheblicher Verlust entstehen. Mögliche Folgekosten aus der Schmiergeldaffäre und aus dem laufenden Konzernumbau seien in der Prognose nicht enthalten.

Die geplante Verschlankung der Verwaltung wird mit einem Personalabbau einhergehen. "Es wird ganz klar zu einem Personalabbau kommen", sagte Löscher am Mittwoch in München. Zahlen könne er allerdings noch nicht nennen. "Wenn ich es sagen kann, werde ich mich melden", erklärte der Konzern-Chef. Bis 2010 will Siemens im Vertrieb und in der Verwaltung die Kosten um 1,2 Milliarden auf unter 11 Milliarden Euro pro Jahr senken.

Für den Rest des Geschäftsjahres 2008 rechnet Siemens damit, dass der Umsatz ohne Verkäufe oder Zukäufe doppelt so schnell wachsen wird wie das Welt-Bruttoinlandsprodukt. "Wir halten an unseren Zielen für 2010 fest", erklärte Löscher.

In der Siemens-Schmiergeldaffäre hat die Staatsanwaltschaft München nun erstmals bestätigt, dass Ermittlungen gegen den früheren Konzernchef Heinrich von Pierer geprüft werden.

Ausmaß für Löscher nicht absehbar

Für Löscher war das Ausmaß der Schmiergeld-Affäre bei seinem Amtsantritt vor etwa neun Monaten nach eigenen Angaben nicht absehbar. "Ganz klar hatte ich dieses Ausmaß und die Breite nicht vor Augen, als ich meine Verantwortung übernommen habe", sagte Löscher am Mittwoch in München.

Am Vortag hatte Siemens nach einer Aufsichtsratssitzung bekannt gegeben, dass die mit internen Ermittlungen beauftragte US-Kanzlei Debevoise & Plimpton in fast allen untersuchten Geschäftsbereichen und in zahlreichen Ländern Belege für Verstöße gegen Gesetze und Vorschriften aufgedeckt habe.

(dpa | Reuters)