Milliardenabschreibung auf Qimonda

infineon
22.04.2008

Der Halbleiterkonzern Infineon hat die Hoffnung auf eine rasche Erholung seiner Speicherchiptochter Qimonda aufgegeben und wertet seinen Anteil um eine Milliarde Euro ab. Der Umsatz von Qimonda hat sich im ersten Quartal halbiert.

Qimonda verzeichnete allein im vergangenen Quartal einen Verlust von 482 Millionen Euro verzeichnet, wie das Unternehmen am späten Montagabend mitteilte.

Umsatz halbiert

Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres, das im Oktober begann, beläuft sich der Fehlbetrag der Tochter auf 1,08 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich der Quartalsumsatz auf 412 Millionen Euro mehr als halbiert.

Die Infineon-Spitze habe sich am Montag darauf verständigt, den Anteil von rund 77,5 Prozent an Qimonda aus der Kernbilanz von Infineon zu nehmen und künftig als "nicht-fortgeführtes Geschäft" zu deklarieren, teilte das Unternehmen mit. Folglich müsse Infineon seine Qimonda-Aktien für das vergangene Quartal um insgesamt eine Milliarde Euro abwerten, was den Konzern tief in die Verlustzone reißen wird.

Noch zum Jahreswechsel hatte die Mutter die Papiere mit je rund zwölf Dollar in den Büchern stehen. An der New Yorker Börse waren die Qimonda-Titel zuletzt nur noch 3,63 Dollar wert.

Harter Arbeitsplatzabbau

Die gebeutelte Qimonda verschärft unterdessen ihren Sparkurs. Das Unternehmen werde jährlich seine Kosten um 180 Millionen Euro senken und streiche dafür weltweit jeden zehnten Arbeitsplatz, sagte Firmenchef Kin Wah Loh in einer Telefonkonferenz.

Zudem fahre Qimonda die erst Anfang Jänner wieder aufgenommene Entwicklung von Flash-Speicherchips - wie sie etwa in Digitalkameras und Handys eingesetzt werden - auf eine Grundlagenforschung zurück. Die nicht einmal vier Monate alte Entwicklungskooperation mit der Taiwaner Macronix werde gekündigt, sagte Loh.

Auf dem Markt für die hauptsächlich in Computern eingesetzten DRAM-Speicher erkennt Qimonda-Vorstand Thomas Seifert indes erste Hoffnungszeichen. "Die Preise für DRAM-Chips stabilisieren sich etwas, es gibt sogar einen leichten Aufwärtstrend", sagte er. Loh erwartet eine leichte Markterholung in der zweiten Jahreshälfte.

Konkurrenz verschärft Wettbewerb

Die Konkurrenz macht es Qimonda allerdings immer schwerer. Die beiden Branchengrößen Micron und Nanya kündigten am Montag an, eine Gemeinschaftsfirma für DRAM-Speicherchips zu gründen. Das Joint Venture Inotera von Qimonda und Nanya will nicht auf die von den Münchnern entwickelte Technologie "Buried Wordline" umsteigen, die effizientere Chipstrukturen und geringeren Stromverbrauch verspricht.

Qimonda verhandle derzeit mit Nanya, ob einer der Partner den Anteil des anderen von jeweils knapp 36 Prozent übernimmt, sagte Loh. Qimonda habe die neue Technologie allerdings bereits an den taiwanesischen Chipproduzenten Winbond lizenziert. Es gebe auch bereits Gespräche mit anderen Interessenten.

(Reuters)