JoWooD stürzt unter einen Euro
Am Freitag wurde bekannt, daß der börsenotierte steirische Hersteller von Computerspielen JoWooD die Zusammenarbeit mit dem australischen Entwickler Perception beendet hat. "Grobe Qualitätsmängel bei der gemeinsamen Entwicklung des Spiels Stargate SG-1, durch die sich die planmäßige Fertigstellung des Spiels bis ins dritte Quartal 2006 verzögern werde, wurden als Grund angegeben.
Heute verlor die JoWood-Aktie an der Wiener Börse mehr als 18 Prozent und setzte sich deutlich unter einem Euro fest [86 Cent]. Damit ist das Papier des einstigen Überfliegers drauf und dran, zu einem so genannten Pennystock zu werden.
Derartige Papiere im Cent-Bereich geraten oft zum Spielball weniger Marktteilnehmer, da mit wenig Geld viele Stückzahlen bewegt werden können.
Halbjahresbericht verschoben
Die für 9. August geplante Veröffentlichung der Halbjahreszahlen
verschiebt sich auf den 18. August. Als Grund nennt JooWooD eine
"Änderung im Vertriebsmodell der JoWooD Productions Software AG",
wodurch es zu signifikanten Verschiebungen in der Bilanz gekommen
sei.
Markstart von Stargate wackeltStargate niemals "wirtschaftlich"
JoWooD hat eigenen Angaben mehr als fünf Millionen Euro in das Projekt investiert. Diese Kosten könnten sich noch um weitere 1,5 bis 2 Mio. Euro erhöhen. Zudem würden durch die Verzögerung die wesentlichen Plattformen, auf denen das Spiel erscheinen soll [Playstation 2 und XBox], bereits durch Nachfolgegenerationen ersetzt sein. Damit könnte das Produkt nur noch zu erheblich geringeren Preisen als geplant auf den Markt kommen, so JooWooD.
Die Wirtschaftlichkeit des Projekts sei damit "ausgeschlossen", unterstrich JoWooD. Ebenso sei die planmäßige Fertigstellung des Projekts bis zum vertraglich vereinbarten Termin Ende August 2005 "vollkommen unmöglich".
Drei Wochen vor dem vorgesehenen Fertigstellungstermin seien die Hauptplattformen Playstation 2 und XBox "extrem instabil".
Der Kursverlauf des PapiersDie Chronologie der Flops
Beim Computerspiel-Erzeuger - 2002 nur knapp an einer Insolvenz vorbeigeschrammt - reihen sich seit dem Vorjahr die negativen Nachrichten. Wie berichtet floppte im Sommer 2004 eine Kapitalerhöhung und es konnte nur ein Drittel der Aktien abgesetzt werden.
Der neue US-Partner Fluent stieg anders als angekündigt nur mit einer Mini-Tranche bei JoWooD ein. Es folgten der geschlossene Rücktritt des Aufsichtsrats, eine Umsatz- und Gewinnwarnung für 2004 und ein Wechsel an der Vorstandsspitze. Im Februar wurde nach nur sechs Monaten die Fluent-Partnerschaft wieder beendet.
2004 rutschte JoWooD tief in die Verlustzone. Der Jahresverlust lag bei 23,1 Mio. Euro, der Betriebsverlust [EBIT] vor Restrukturierung bei 8,7 Mio. Euro, der Umsatzerlöse bei 17,2 Mio. Euro. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, schloss JoWooD im Mai seine Entwicklungstochter in Deutschland.
