Internet-Sucht als Behandlungsfall

immer online
11.04.2008

Anton-Proksch-Institut bietet Beratung

Über 3,95 Millionen Österreicher gehen mehrmals pro Woche online, wie der Austrian Internet Monitor [AIM] aus dem vierten Quartal 2007 zeigt. Mit zunehmender Verfügbarkeit des Internets steigt auch die Internet-Sucht, warnt Michael Musalek, Leiter des Anton-Proksch-Institus für Suchterkrankungen.

Die Internet-Sucht zählt neben Glücksspiel-, Arbeits- und Kaufsucht zu den gesicherten Suchtformen. Die Symptome und der Verlauf dieser Krankheit ähneln denen bei Alkohol-, Tabletten- und Drogensucht.

Der Betroffene verliere die Kontrolle über seinen Internet-Konsum - er braucht eine immer höhere Dosis -, andernfalls kommt es zu Entzugserscheinungen, berichtet Musalek. Wird der Abhängige vom Computer ferngehalten, reagiert er mit Unruhe und Aggressivität, es kommt zu Schlafstörungen, Hitzewallungen bis hin zu Angstzuständen.

Isolation und Sozialphobie

Internet-Süchtige stellen - wie andere Abhängige - ihre Droge in den Lebensmittelpunkt. "Alle anderen Tätigkeiten werden vernachlässigt, es gibt kein Freizeitverhalten mehr", erklärt der API-Chef. Die Betroffenen isolieren sich, soziale Kontakte werden abgebrochen. Kranke Internet-Nutzer gelangen meist über Online-Glücksspiele oder Rollenspiele zu ihrer Sucht.

Laut Musalek ist die Online-Sucht besonders weit verbreitet, weil die Verfügbarkeit des Internets so hoch ist. Die Krankheit stellt sich schleichend ein und wird daher oft nicht erkannt. Es beginnt mit einem erhöhtem - also mehrstündigen - täglichen Gebrauch. Zum "problematischen Gebrauch" wird die Internet-Nutzung, wenn man beginnt, das Leben aufs Internet zu zentrieren, um dadurch etwa vorhandene Ängste wie Sozialphobie zu kompensieren.

Musalek rät allen, deren Internet-Konsum auffallend hoch ist, sich an Beratungsstellen des Anton-Proksch-Institutes zu wenden, um prüfen zu lassen, ob ihr Verhalten bereits problematisch ist. "Man sollte unbedingt Hilfe in Anspruch nehmen."

Abstinenz schwer realisierbar

Besonders problematisch ist auch die Therapie der Internet-Sucht, weil eine völlige Abstinenz in der heutigen Zeit kaum realisierbar ist. Arbeitsgruppen tüfteln derzeit an einer fachgerechten Behandlungsmethode.

Die Krankheit wächst direkt proportional zum zunehmenden Internet-Konsum. Statistiken über die Anzahl der Betroffenen gibt es nicht. In Deutschland wird die Zahl der Computersüchtigen auf 1,5 Millionen geschätzt.

(APA)