Ein 100-Dollar-Notebook für Brasilien
Das Media Lab des Massachusetts Institute of Technology [MIT] stößt mit seiner Entwicklung eines 100-Dollar-Notebooks für Entwicklungsländer auf immer mehr Interesse.
Das Ziel unseres Projektes ist es, jedem Kind einen Laptop zu verschaffen", sagte Nicholas Negroponte, Vorsitzender und Gründer des MIT. Bevor das Pilotprojekt jedoch starten kann, sind Bestellungen von etwa sechs Millionen Stück erforderlich.
Zwei Millionen Billig-Notebooks könnten dabei nach Brasilien gehen, Präsident Lula de Silva denkt nach einem Treffen mit Negroponte ernsthaft über die Anschaffung nach und hat bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die das Projekt unter die Lupe nehmen und Finanzierungsmöglichkeiten ausloten soll.
Negroponte zeigte sich nach der Präsentation sehr zuversichtlich, dass eine Kooperation zu Stande kommt.
Der Rechner wird nicht in Geschäften erhältlich sein, er kann nur von der jeweiligen Landesregierung in größeren Mengen bestellt werden. Dadurch kann der Preis überhaupt erst so niedrig gehalten werden, denn die Kosten für Vertrieb, Marketing und dergleichen fallen weg.
Billig-Notebooks für EntwicklungsländerPlan B: ein 600-Dollar-Desktop
In Brasilien könnten dabei eine Million Notebooks für den Einsatz in Schulen verwendet werden, die andere Hälfte würde exportiert werden.
Das Projekt überschneidet sich mit einem weiteren Plan der Regierung, die im 184-Millionen-Einwohner-Land herrschende digitale Lücke zu schließen. Mit einem Desktop-PC, der für 600 Dollar angeboten wird und über zwei Jahre abbezahlt werden kann, soll auch für Familien mit geringem Einkommen der Einstieg in die Computertechnik möglich werden.
Von den Brasilianern wurde dieser Plan jedoch kritisiert, weil der Rechner für arme Verhältnisse immer noch zu teuer und obendrein schlecht ausgestattet ist.
Mit dem 100-Dollar-Notebook des MIT, das unter Linux läuft, und volle Internet-fähig ist, wäre es also einfacher, mehr Menschen den Zugang zur Technik zu verschaffen.
Angeführt von Brasilien scheint auch der Trend zu Open Source in Südamerika stärker zu sein als auf jedem anderen Kontinent. Brasilien setzt etwa bei der öffentlichen Verwaltung auf Linux, der Chef des nationalen IT-Institutes ITI, Sergio Amadeu, will zudem alle Regierungsstellen ermutigen, auf Linux umzusteigen.
Linux für LateinamerikaNachfrage aus China
Negroponte erwartet weiters eine Bestellung von drei Millionen Notebooks aus China.
Angepeilt sind zudem noch ein Land in Afrika, im Nahen Osten und in Südostasien. Im nächsten Jahr soll dann mit der Produktion begonnen werden.
