24.06.2005

CHICAGO

Das Internet als Polizei-Pranger

Im Kampf gegen die Prostitution lässt die Polizei von Chicago die Tradition des guten, alten Prangers mit den Mitteln moderner Technik wieder aufleben. Männer, die auf "Freiersfüßen" von der Polizei ertappt und festgenommen wurden, werden auf einer frei zugänglichen Liste im Internet aufgeführt - mitsamt Foto, Name und Adresse.

In den ersten beiden Tagen der Aktion wurde die Website fast 90.000 Mal angeklickt - ein großer Erfolg, wie ein Polizeisprecher am Donnerstagabend sagte.

In der öffentlichen Bloßstellung der Freier sieht die Polizei ein besonders wirksames Mittel gegen die Prostitution. Das Beste, was man tun könne, sei, die Freier da zu treffen, wo es wirklich zähle: daheim. Es handle sich um eine Abschreckungsstrategie, hieß es.

Die Fotos sollen 30 Tage im Netz bleiben - auch dann, wenn die Schuld des Verdächtigen noch gar nicht erwiesen ist. Das Recht auf Schutz der Persönlichkeit sieht die Polizei nicht verletzt. Schließlich seien Akten über Festnahmen öffentliche Dokumente.

Prostitution und Nachfrage

Der Chicagoer Bürgermeister Richard Daley sagte, die Aktion solle vor allem den Prostituierten zugute kommen: "Sie haben ein schreckliches Leben, und eine verantwortliche Gesellschaft muss ihnen helfen, ihr Leben zu ändern, und junge Frauen davon abhalten, in die Prostitution zu gelangen." Das solle geschehen, indem die Nachfrage nach Prostitution gesenkt wird.

Bis jetzt wurde der Gang zu Prostituierten in Chicago unter anderem mit Geldstrafen und mit Beschlagnahme des Autos geahndet. Im vergangenen Jahr nahm die Polizei der Großstadt 950 Freier fest und beschlagnahmte 862 Autos.