03.06.2005

WEITE KREISE

Industriespionage mit Programmierfehler

Israel macht dieser Tage mit dem bisher schwersten Fall von Industriespionage auf sich aufmerksam. Auch bekannte internationale Firmen wurden dabei mit einem Trojaner ausspioniert, im Rahmen der Ermittlungen sind bereits einige Festnahmen und Hausarrest angeordnet worden.

Die Polizei vermutet mittlerweile, dass eine Hälfte der israelischen Unternehmenswelt die andere Hälfte der Wirtschaft ausspionieren ließ. Mittlerweile gab die Polizei auch bekannt, dass sicherheitsrelevante Daten von Herstellern ausspioniert wurden. Das israelische Fernsehen berichtete von betroffenen Herstellern von Überwachungsdrohnen.

Doch was inzwischen ein internationaler Aufreger ist, begann vermutlich als Rache eines in London lebenden Israelis an seinen Ex-Schwiegereltern.

Michael Haephrati, der 41-jährige Hauptverdächtige in dem Fall, hat den Trojaner "Hotword" programmiert und sich dabei auf bereits bekannt Programme gestützt, mit denen sich PCs für legale Anwendungen fernsteuern lassen. Haephrati dürfte das Programm dann an drei israelische Privatdetektive weiterverkauft haben, die sich damit an die Wirtschaft wandten.

Kein erfahrener Programmierer

Über E-Mails mit vermeintlich vertraulichen Inhalten im Attachment wurde das Programm auf die betroffenen Rechner geschleust.

Einmal aktiviert, sammelte "Hotword" sämtliche Tastenanschläge, Dokumente und E-Mails und übermittelte diese an einen angemieteten Server in London. Herkömmliche Virenscanner konnten den Trojaner nicht auf den Rechnern finden.

Laut Meinung von Sicherheits-Experten ist "Hotword" nicht sehr ausgeklügelt programmiert, was dem Schreiber auch zum Verhängnis wurde: Ein Programmierfehler verursachte auf betroffenen Rechnern einen Systemabsturz, wenn bei der Übermittlung der Dokumente Fehler auftraten. Dadurch wurden einige der betroffenen Firmen auf den Trojaner aufmerksam.

Weiters sendete das Programm die gestohlenen Daten direkt an den Server in London, anstatt die Spuren über einen Proxy schwerer nachvollziehbar zu machen.

Der Skandal war aufgeflogen, nachdem die ehemaligen Schwiegereltern des in London lebenden Israelis sich an die Polizei gewandt hatten, weil mehrere Kapitel eines neuen Romans, an dem beide arbeiteten, vor der Veröffentlichung im Internet auftauchten.