Ministerium warnt vor Telekomanbieter
Das Konsumentenschutzministerium warnt vor den unseriösen Angeboten des Salzburger Telekomanbieters MyPhone.
Gegen den Anbieter hätten sich in den vergangenen Monaten die Beschwerden gehäuft, teilte das Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz [BMSK] am Sonntag in einer Aussendung mit.
Die Firma schicke Rechnungen, ohne dass je ein Vertrag zugesagt werde, telefonisch werde falsch oder unvollständig informiert, das Rücktrittsrecht werde verweigert, weil die Voraussetzungen dafür wegen irreführender Informationen nicht eingehalten würden. Die aggressive Art der Kundenwerbung brachte dem Unternehmen bereits scharfe Kritik Hunderter Neukunden, Gerichtsklagen und Verurteilungen zu hohen Geldstrafen ein.
"Sofort abbrechen"
Konsumentenschutzminister Erwin Buchinger [SPÖ] rät Konsumenten bei einer telefonischen Kontaktaufnahme, "die Gespräche sofort abzubrechen und auf keinen Fall sofort nach Erhalt der Rechnung eine Zahlung zu leisten".
Betroffene sollten einen eingeschriebenen Brief mit einer Rücktrittserklärung an das Unternehmen senden. Bleibe die Korrespondenz erfolglos, wird auf Konsumentenschutzorganisationen wie den Verein für Konsumenteninformation [VKI], die Arbeiterkammer [AK] und das Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz verwiesen.
Verschiedenste Formen von Irreführung im Zusammenhang mit Vertragsabschlüssen und anschließend vehementes Einfordern der Zahlung sei eine häufige Taktik unseriöser Firmen, warnt Buchinger. Dazu gehöre auch das "Verstecken" wichtiger Informationen in Fußzeilen in einer derart kleinen Schriftgröße, dass diese mit freiem Auge fast nicht gelesen werden könnten.
Beispielfall
Das Vorgehen von MyPhone veranschaulichte der Minister an einem Beispielffall: Herr M. wurde von einem angeblichen Mitarbeiter der Telekom Austria angerufen. Dieser stellte ihm einen neuen Tarif mit 150 Freiminuten vor. Herr M. nahm dieses Angebot an. Später kam das böse Erwachen, als Herr M. sowohl von der Telekom Austria als auch von MyPhone Austria eine Telefonrechnung erhielt.
Eine Belehrung über das gesetzliche Rücktrittsrecht fehlte, eine Kündigung wurde von MyPhone aufgrund einer angeblichen zwölfmonatigen Mindestvertragsdauer abgelehnt. Die versprochenen Freiminuten wurden für Gespräche ins Mobilnetz nicht abgerechnet. Dass die versprochenen Freiminuten nur für Gespräche ins österreichische Festnetz gelten, stand lediglich im "Kleinstgedruckten".
Staatsanwaltschaft ermittelt
MyPhone-Geschäftsführer Fredy Scheucher wollte "nicht hundertprozentig ausschließen", dass Mitarbeiter sich als Angestellte der Telekom Austria ausgegeben hätten, weil man "nicht jeden immer kontrollieren kann". Das sei jedoch keinesfalls die offizielle Firmenpolitik, sagte Scheucher.
Vorwürfe, MyPhone habe Tonbandaufnahmen von Kundengesprächen und Unterschriften gefälscht, dementierte Scheucher. Die Staatsanwaltschaft Salzburg ermittelt deshalb gegen MyPhone wegen Betrugs.
(APA)
