16.04.2005

DEUTSCHLAND

Musikindustrie mahnt Songtext-Sites ab

Nach dem Kampf gegen Tauschbörsen will die Musikbranche nun offenbar auch dem Songtext-Wildwuchs ein Ende bereiten, denn auch die Lyrics unterliegen dem Urheberrecht und dürfen nur mit Erlaubnis des Rechteinhabers veröffentlicht werden.

Doch wie in der Anfangszeit der Tauschbörsen-Abmahnungen laufen die Plattenlabels damit abermals Gefahr, mit überzogenen Klagsforderungen vor allem dem eigenen Image nachhaltig zu schaden.

Denn der Öffentlichkeit fehlt jedes Veständnis für die enormen Geldforderungen einer milliardenschweren Industrie an zum Teil minderjährige Hobby-Betreiber von Fansites.

1.600 Euro pro Songtext

Im Auftrag deutscher Musikverlage verschickt die Berliner Anwaltskanzlei Wollmann und Partner seit März Unterlassungserklärungen an die Betreiber von Songtext-Sites.

In mehr als 200 Abmahnungen an über 40 Betreiber werden jeweils 1.600,57 Euro pro angebotenen Songtext verlangt.

Die Betroffenen fühlen sich zu Unrecht verfolgt, sie verstehen ihr Lyrics-Angebot als Service für Musikkäufer und Werbung für die Künstler, ohne jegliches finanzielles Interesse ihrerseits.

Zwar fänden sich auf einigen Websites Werbebanner, doch diese dienten allein der Website-Erhaltung und erwirtschafteten keinerlei Gewinn für die Betreiber.

Leagle Alternativen nicht in Sicht

Viele private Songtext-Websites stehen nun vor dem Aus, legale Alternativen der Musikindustrie wird es jedoch auch in naher Zukunft nicht geben.

Wie schon bei den legalen Download-Angeboten von Songs hat die Branche auch hier wieder eine Entwicklung veschlafen.

In Österreich sind bisher keine derartigen Abmahnungen an Songtext-Sites bekannt, die IFPI Austria gehört erfahrungsgemäß nicht zu den "Early Adopters" solcher "Trends".

Statt - wie international üblich - eine Klagewelle nach der anderen loszutreten, ist man hier zu Lande besonnen und auf das eigene Image in der Öffentlichkeit bedacht.