08.04.2005

BREITBAND

Existenzängste bei alternativen Telekoms

Wenn der Telekomregulator nicht bald die wettbewerbsrechtliche Bevorzugung der Telekom Austria [TA] beim Einheben der Telefon-Grundgebühr und im Breitband-Internet-Markt aufhebe, werde es bald keine alternativen Anbieter, sondern nur noch die Telekom Austria und damit wieder ein Monopol geben.

Angesichts des enormen Wettbewerbs sei nur noch bei Grundgebühren und im Bereich Breitband echtes Geld zu verdienen, sagten VAT-Präsident Achim Kaspar [e-Tel] und Vize Norbert Wieser [tele2UTA].

Bei entbündelten Anschlussleitungen halte die TA nach wie vor einen Marktanteil von 95 Prozent und sei daher ein "de-facto-Monopol". Im ADSL-Breitband-Markt liege der Marktanteil ebenfalls bei mehr als 80 Prozent.

Der Telekom-Regulator sei daher gefordert, Wettbewerb im Infrastrukturbereich zu schaffen, forderten Kaspar und Wieser. Konkret müsse den alternativen Betreibern kostendeckende Entbündelung ermöglicht werden, was angesichts einer "monopolartigen Entbündelungsmiete" von 10,90 Euro plus 100 Euro Herstellungskosten je Anschluss sowie langer Umstellungsprozesse von bis zu vier Monaten derzeit nicht möglich sei.

Die Kosten der Entbündelung

Alternative und TA streiten seit Jahren über die Gebühr für den Wiederverkauf der Telefon-Grundgebühr. Der VAT hat den Großhandelspreis zuletzt gerichtlich angefochten, eine Entscheidung steht noch aus.

Die Entbündelungskosten lägen in Österreich derzeit bereits unter dem EU-Durchschnitt, es gebe daher keinen Handlungsbedarf, diese Preise zu senken, hieß es vom TA-Sprecher Martin Bredl.

Die Mühen des Umstiegs

Ein weiterer Kritikpunkt der alternativen Betreiber ist die "Geiselhaft"-Methode der TA, mit der der Ex-Monopolist Kunden beim Telefonieren über andere Telekombetreiber behindere.

Den Kunden würde beispielsweise bei TA-Tarifumstellungen die Einrichtung der vom Kunden gewünschten so genannten "Preselection" verwehrt und versteckte Rabatte angeboten, die einen Wechsel zu alternativen Betreibern verhindern würden, kritisierte Kaspar.

Die im VAT zusammengeschlossenen Telekombetreiber beschäftigen insgesamt 6.000 Mitarbeiter und erzielen gemeinsam 1,7 Mrd. Euro Umsatz. Bisher wurden von den Unternehmen 3,5 Mrd. Euro in die Telekom-Infrastruktur in Österreich investiert.