SAP jagt weiter nach Oracle-Kunden
Europas größter Softwarekonzern SAP will noch mehr Kunden von seinem US-Konkurrenten Oracle abwerben.
SAP kündigte am Montag an, mit einer zweiten Welle seines so genannten "SafePassage"-Programms auch ehemalige Kunden der von Oracle übernommenen PeopleSoft anzusprechen, die bisher keine Softwarelösungen von SAP benutzen.
Das ursprüngliche, im Jänner vorgestellte Programm hatte sich nur an solche ehemaligen Kunden von PeopleSoft gerichtet, die auch SAP-Software einsetzen.
Die nun erweiterte Offerte für Oracle-Kunden bedeute nicht, dass SAP bisher gescheitert sei, seinem US-Konkurrenten Kunden abspenstig zu machen, sagte Bill Wohl, Sprecher von SAP America. "Die Motivation dieser Änderung lag darin, das Angebot einer breiteren Gruppe zur Verfügung zu stellen", fügte er hinzu.
Der Walldorfer Konzern hatte in den vergangenen Monaten von der Verunsicherung zahlreicher Käufer von Unternehmenssoftware profitiert, die der 18-monatige Übernahmekampf zwischen Oracle und PeopleSoft ausgelöst hatte. Oracle hatte PeopleSoft im Jänner nach langem Widerstand des Vorstands für 10,6 Milliarden Dollar gekauft.
Oracle kontrolliert nun PeopleSoftMitgründer trennt sich von Aktien
Der SAP-Mitgründer Klaus Tschira hat sich unterdessen von fünf Millionen seiner Aktien getrennt und hält jetzt nur noch rund 10,3 Prozent an dem Walldorfer Softwarekonzern.
Die gemeinnützige Klaus Tschira Stiftung, mit der Tschira wissenschaftliche Projekte unterstützt, hat die Aktien im Wert von rund 600 Millionen Euro vor dem 8. März abgegeben, wie sich aus einer Mitteilung von SAP an die US-Wertpapieraufsicht SEC ergibt, die das Unternehmen im Internet veröffentlicht hat.
Der "Financial Times Deutschland" bestätigte Mitgründer und SAP-Aufsichtsrat Tschira die Abgabe der Aktien "teils durch Leihe, teils durch Verkauf". Die Stiftung benötige Liquidität für zwei Großprojekte, begründete er den Schritt. Bereits im Juli 2004 hatte Tschira ein Wertpapier-Leihgeschäft für 1,5 Millionen Aktien gemeldet.
Die drei Gründer von SAP - neben Tschira der scheidende Aufsichtsrat Dietmar Hopp [10,4 Prozent] und Aufsichtsratschef Hasso Plattner [11,5 Prozent] - halten dem Bericht an die SEC zufolge zusammen noch 32,2 Prozent an Europas größtem Softwarekonzern. Die Beteiligung der Gründer gilt als Schutz von SAP gegen feindliche Übernahmen. Im vergangenen Jahr hatte SAP - letztlich gescheiterte - Übernahme-Gespräche mit Microsoft eingeräumt.
Microsoft wollte SAP übernehmen
