Telefonnummern als Schlüssel zum Netz
Immer mehr heimische Provider und Service-Anbieter bieten Internet-Sprachtelefonie [Voice over IP - VoIP] an.
Da VoIP-Adressen mit herkömmlichen Telefonen nicht wählbar sind, wurde der international genormte Internet-Standard ENUM [Electronic Number Mapping] geschaffen. Dieser ordnet weltweit jeder Telefonnummer eine eindeutige ENUM-Domain auf Basis des Domain-Name-Systems [DNS] zu und verbindet so das Internet mit dem Telefonnetz - VoIP-User werden über "normale" Telefonnummern erreichbar.
Hinter einer ENUM-Domain können aber auch Infos zu Fax, E-Mail-Adressen und Websites hinterlegt werden. Damit ergeben sich im Prinzip völlig neue Möglichkeiten, da ENUM damit Hinweise auf weitere Kommunikationsmöglichkeiten liefern kann.
Über den wahren Sinn und den weiteren praktischen Nutzen von ENUM herrschen allerdings geteilte Meinungen.
Eigene Domain für die Telefonnummer
Um ENUM nutzen zu können, muss die eigene Telefonnummer als
ENUM-Domain registriert werden und eine VoIP-Nummer dazu angegeben
werden. Das ist allerdings nur für jene Nummern zulässig, für die
man auch das Nutzungsrecht besitzt [Vorlage eines Belegs einer
Serviceabrechnung]. Ab dem zweiten Quartal 2005 soll unter +43780xxx
ein eigener Nummernbereich nutzbar sein.
ENUM in ÖsterreichDie österreichische ENUM-Top-Level-Domain lautet 3.4.e164.arpa [internationale Vorwahl +43, ohne Sonderzeichen und von rechts nach links abgebildet]. Mit der Wiener Vorwahl würde die entsprechende ENUM-Domain 1.3.4.e164.arpa. lauten. Die Wiener Rufnummer +43 1 12345 wird damit zu 5.4.3.2.1.1.3.4.e164.arpa.
Die Funktionsweise
Für den Anrufer ändert sich vordergründig wenig, er wählt die gewohnte Telefonnummer.
Unterstützt sein Telekom-Provider ENUM [was bisher in Österreich noch nicht der Fall ist], wird automatisch ein ENUM-Look-up gemacht, also nachgesehen, ob es einen passenden Eintrag gibt. Ist dort ein Eintrag zu einer VoIP-Nummer vorhanden, wird der Anruf an jenes Gerät [Hard- oder Software] weitergeleitet, das auf diese VoIP-Nummer registriert ist. Ist das Gerät ausgeschaltet, klingelt es beim nächsten Eintrag - üblicherweise das gewohnte Telefon.
Auch bei Telefonaten über VoIP-Provider kommt es darauf an, ob dieser bereits beim Rauswählen ENUM unterstützt. Wenn nicht, klingelt das gewohnte Festnetztelefon.
Wenn doch, dann wird bei jedem ausgehenden Anruf nachgesehen, ob es zu dieser Rufnummer einen passenden ENUM-Eintrag gibt. Findet er dort eine VoIP-Adresse, wird die Verbindung zuerst dorthin aufgebaut - und der ganze Anruf wird rein über das Netz abgewickelt.
Ein weiterer Vorteil ist, dass der Angerufene mit seinem VoIP-Telefon weltweit unter seiner registrierten Telefonnummer erreichbar ist.
Sollte der eigene Provider ENUM nicht unterstützen, kann auch ENUM-fähige Hardware wie von Snom eingesetzt werden.
Enum.atZiele derzeit ungeklärt
Derzeit bieten in Österreich drei Registrare die ENUM-Registrierung an, darunter Nemox und Silver Server, zwei weitere sollen demnächst folgen. Silver Server bietet seit kurzem auch VoIP mit automatischem ENUM-Look-up an.
Für Bert Estl von Silver Server ist ENUM derzeit vor allem für die Umgehung des klassischen Telefonnetzes bei der Internet-Telefonie sinnvoll. Weitere angedachte und mögliche Services wie die automatische Weiterleitung auf andere URLs [Uniform Resource Identifier, etwa http: oder mailto] sieht er nicht als primäres Ziel der Technologie.
Auch Michael Haberler von der Internet Privatstiftung Austria [IPA] sieht ENUM weniger als Visitkartenfunktion, wo hinter der Telefonnummer weitere Kontaktmöglichkeiten hinterlegt werden. Die Telefonnummer als Kontaktschlüssel zu einer Person ist für ihn nicht praktikabel.
Derzeit können bei ENUM VoIP-Nummern, Fax, Websites, FTP und Anwesenheitsfunktionen hinterlegt werden, weitere Felder sind in Vorbereitung.
Enumservice Registrations [IANA]Mögliche Services der Zukunft
Doch Telefonnummern sind international gesehen eindeutig zuordenbar. Würde nun via ENUM zu einer Telefonnummer auch eine ICQ-Nummer hinterlegt werden, könnte eine Kurznachricht vom Handy [sofern Hardware oder Provider diese Funktion unterstützen] statt über SMS auch über GPRS an den Instant Messenger des Empfängers verschickt werden, skizziert Alexander Mayrhofer von enum.at eine mögliche Anwendungsform.
Weitere denkbare Möglichkeiten wären auch die Nutzung von GPS-Daten für Navigationssysteme, die durch Eingabe einer Telefonnummer in das Gerät automatisch über ENUM abgefragt werden oder schlicht die Eingabe der Telefonnummer in die Adresszeile des E-Mail-Programms.
Welche dieser Möglichkeiten in Zukunft allerdings wirklich realisiert werden, hängt nicht nur von der Festlegung weiterer ENUM-Felder ab, sondern auch von der Implementierung in Hard- bzw. Software.
