14.03.2005

KONTROLLE

"Intelligente" Autos auf dem Vormarsch

Bei der CeBIT in Hannover werden nicht nur die neuesten Gadgets für Arbeits- und Wohnzimmer gezeigt, sondern auch zahlreiche Neuheiten bei Freisprecheinrichtungen und Navigationssystemen fürs Auto.

Büroanwendungen wie Internet und Textverarbeitung machen das Auto längst zum mobilen Büro, doch auch Spielekonsolen und Fernseher finden sich immer öfter in den Fahrzeugen.

Die moderne Technik beschränkt sich dabei längst nicht mehr auf Oberklassewagen, in Kleinwagen und Autos der Mittelklasse schützen Airbags den Fahrer oder unterstützt das elektronische Stabilitätssystem ESP den Fahrer. Wenn diese Geräte streiken, hilft oft nur mehr der Weg in die Werkstatt.

Sehr zum Ärger der Autoindustrie führen Fehler in Elektronikbauteilen aber zunehmend zu teuren Rückrufaktionen und Imageproblemen.

Mehr Technik als für ersten Mondflug

Fehler in der Autoelektronik sind jedoch nicht verzeihlich und können mitunter zur groben Sicherheitsgefährdung führen. BMW-Chef Helmut Panke nannte sie vor wenigen Wochen "inakzeptabel".

Es sei keine Entschuldigung, dass in der 7er Reihe des Münchner Autobauers inzwischen mehr Technik stecke, als für den erste Mondflug gebraucht wurde, sagte der Manager in einem Interview.

Für die Pannenhelfer ist das ein beunruhigender Trend: "Wir müssen klar unterscheiden zwischen Systemen, die die Sicherheit erhöhen und denen, die nur dem Komfort dienen", sagt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Fernseher und Spielcomputer hätten allenfalls etwas im Fond zu suchen und dürften nur im Stand funktionieren. "Der Fahrer darf auf keinen Fall abgelenkt werden."

Elektronische Messung des Fahrverhaltens

Manche Telematik-Experten blicken noch weiter in die Zukunft der digitalen Verkehrs- und Fahrzeugsteuerung. So könnten Autoversicherer über Telematik-Anwendungen künftig ihre Prämien am Fahrverhalten der Kunden ausrichten.

In England laufen bereits erste Versuche. Die Geräte sammeln Daten über die Fahrgewohnheiten der Nutzer. "Wer nur in der Rush-Hour über eine Schnellstraße morgens zu Arbeit fährt, müsste dann andere Prämien zahlen, als jemand, der sein Auto kaum nutzt", sagt Erich Nickel, der bei IBM das weltweite Telematik-Geschäft verantwortet.

Auch die Unfallforschung könnte nach Meinung von IBM-Manager Nickel von der Technologie profitieren. So seien Fahrtenschreiber denkbar, die den Hergang eines Unfalls genau mitverfolgen. "Sich auf ein technischen Defekt rausreden, geht dann nicht mehr", sagt Nickel.

Warnung vor Entmündigung

Der ADAC warnt davor, den Autofahrer zu entmündigen. "Systeme dürfen nicht automatisch in das Fahrverhalten eingreifen." Die letzte Entscheidung für ein Manöver müsse immer beim Fahrer liegen. Maurer: "Der hat schließlich die Verantwortung."