Eee PC: "Einfach wie Nintendos Wii"
"Wir waren der Meinung, dass auch der PC-Markt etwas so Einfaches wie Nintendos Spielekonsole Wii braucht", erklärt der Asus-Chef und "Vater des Eee PC", Jerry Shen, im Gespräch mit ORF.at die Idee hinter dem Kleinstrechner. Zudem dauere das Hochfahren von Vista einfach zu lange.
Nur wenig hat auf der Computermesse CeBIT in Hannover vergangene Woche so viel Aufsehen erregt wie Asus' Eee PC.
Seit Monaten ist der Kompaktrechner, der kaum größer als ein A5-Blatt ist und damit in fast jede Tasche passt, in Europa quasi ausverkauft, und schon kündigte Asus auf der CeBIT die nächste Generation an, mit größerem Display und mehr Festspeicher.
Zudem soll nun auch in Europa der Eee PC ab Werk mit Windows XP ausgeliefert werden, was angesichts der perfekten Abstimmung mit dem bisher darauf verfügbaren Xandros-Linux doch Zweifel an der tatsächlichen Notwendigkeit einer solchen Maßnahme aufkommen lässt.
"Geschäftskunden wollten Windows"
Shen erklärt den Schritt gegenüber ORF.at folgendermaßen: "Die Geschäftskunden wollten Windows, um den Eee PC auch in ihrer gewohnten Arbeitsumgebung nutzen zu können." Zudem sei Microsoft ein guter Partner, meint der Asus-Chef mit einem verschmitzten Lächeln.
Denn notwendig sei der Schritt nicht gewesen: "80 Prozent der Anwender sind mit Linux gut bedient - für die anderen 20 Prozent haben wir jetzt Windows im Angebot", so Shen.
Ob denn Vista auch auf dem Eee PC laufen könne? "Von unserer Seite aus wäre das kein Problem, Vista läuft auf dem Eee PC, allerdings müssten wir dann zwei GB Arbeitsspeicher einbauen."
Auf der dazugehörigen Pressekonferenz war vonseiten Microsofts keine Ansage in dieser Richtung zu hören. Lediglich ein Einsatz des kommenden Windows, Windows 7, auf dem Eee PC wurde in diesem Zusammenhang genannt - allerdings ohne ins Detail zu gehen.
"Vista bootet zu langsam"
Die Idee für den Eee PC habe er vor eineinhalb Jahren gehabt, erzählt Shen, im Oktober 2006 sei erstmals darüber gesprochen worden. Auslöser dafür sei einerseits der Bildungsrechner der Initiative "One Laptop per Child" gewesen und andererseits Nintendos Spielekonsole Wii.
Shen: "Die Wii ist so klein und einfach zu bedienen und erfüllt dennoch ihren Zweck. Wir waren der Meinung, dass auch der PC-Markt so eine Wii braucht. Wenn man sich den Bedarf der Nutzer anschaut, der relativ konstant bleibt, und den mit der Kraft der Rechner vergleicht, die stetig steigt, gibt es eine starke Diskrepanz. Schauen sie sich Vista an: Obwohl Intel leistungsfähige CPUs baut, ist die Zeit, die Windows Vista zum Hochfahren braucht, einfach zu lange. Daher dachten wir uns, es müsste doch einen Markt für so kleine und einfache Rechner geben."
Vier Monate Entwicklungszeit
Als Designkonzept waren vorgegeben: leichte Handhabung, lange Akkulaufzeit, kompakte und leichte Bauweise, schickes Aussehen, kurze Boot-Zeit, erschwinglich in der Anschaffung und die Umsetzung von Asus' Leitspruch "Rock Solid" in Form einer SSD [Solid State Disk] statt einer Festplatte.
Von der Idee zum fertigen Produkt ging es dann relativ schnell: Von Februar bis Juni wurde der Eee PC in nur einem Raum, dem "Da Bu Wu" ["The Big Room"], entwickelt, wo sich alle beteiligten Entwickler zwecks gegenseitiger intellektueller Befruchtung möglichst nahe waren.
Im Anschluss wurden 800 Stück des Eee PC an Asus-Mitarbeiter verteilt, die den Rechner auf Alltagstauglichkeit testen mussten. Die daraus resultierenden 500 Feedbacks wurden dann innerhalb eines Monats gelöst und der Rechner auf den Markt gebracht.
Skizze des Eee PC
Mitte des Jahres wird der Eee PC mit einem 8,9 Zoll großen Display samt höherer Auflösung für 399 Euro verfügbar sein. Zudem wird es Zubehör wie ein UMTS-Modem und einen externen DVD-Brenner geben.
"Kokurrenz belebt"
Dass Asus in Europa nun vor allem mit dem Eee PC in aller Munde ist und nicht so sehr mit seinen zahlreichen anderen Produkten, darunter der erfolgreichen Motherboard-Linie, stört Shen nicht: "Wir werden das Momentum nutzen und auch mit unseren anderen Geschäftsfeldern stark wachsen."
Vor allem die Handhelds sollen 2008 bei Asus im Vordergrund stehen. Auf dem Notebook-Markt, wo Asus in Europa derzeit hinter Fujitsu Siemens auf Platz sechs liegt, will der taiwanesische Hersteller ebenfalls stark aufholen.
Vor der Konkurrenz fürchtet sich Shen nicht: "Konkurrenz ist gut, sie belebt das Geschäft und erhöht die Aufmerksamkeit, auch für uns. Trotzdem sind wir immer noch die Ersten, die so einen Rechner auf den Markt gebracht haben." Dass der Eee PC allerdings ein solcher Erfolg werden würde, das habe selbst ihn überrascht, gibt er zu.
Für die Zukunft kündigt der Asus-Chef noch eine Reihe weiterer Modelle an, jedoch ohne ins Detail zu gehen. "Lassen Sie sich überraschen", sagt er und entschwindet mit einem weiteren Lächeln im Gesicht.
(futurezone | Nadja Igler)
