26.02.2005

KERATIN

Leiterplatten aus Hühnerfedern

Dass PC-Müll zum immer größeren Umweltproblem wird, ist lange bekannt. 80.000 Tonnen Elektroschrott fallen jährlich allein in Österreich an, 30.000 Tonnen davon sind Computer-Müll wie beispielsweise Bildschirme, Rechner, Drucker, Scanner, etc.

Forscher wollen nun eine neue Rohstoffquelle für umweltfreundliche Computerkomponenten gefunden haben: den Bauernhof.

Richard Wool, Professor der Technischen Chemie an der Universität Delaware, will Computerplatinen aus Hühnerfedern herstellen. Statt wie bisher auf Erdöl- sollen die neuen Kompenenten auf Keratin-Basis produziert werden.

Ob aus der Idee auch Realität wird, ist noch ungewiss. Zwar hat der Chip-Hersteller Intel bereits Interesse an dem Projekt bekundet, doch die Forschungsarbeit steht und fällt mit der Bewilligung von 500.000 Dollar Fördergeld vom US-Landwirtschaftsministerium.

Sojabohnenöl und Hühnerfedern

Platinen bestehen aus einer Kupferschicht, die auf einen Kunststoffträger aufgebracht ist. Als Kunststoffträger wird derzeit meistens eine mit Epoxydharz getränkte Glasfasermatte verwendet.

Der Forscher könnte sich vorstellen, das Expoxydharz durch Sojabohnenöl und die Glasfaser durch Hühnerfedern zu ersetzen. Nur die leichten und weichen Federfasern der Fahne, die viel Luft einschließen, kommen dabei zum Einsatz. Die Kiele können nicht genutzt werden.

Diese Keratinfasern sind etwa zwei Zentimeter lang, sechs Mikrometer stark und mechanisch so belastbar wie Nylon. Sie werden abgelöst, zerrieben und mit konventionellem oder biologischem Kunststoff für eine größere Festigkeit vermischt.

"Unser Ziel ist es, durch umweltfreundliche Materialien den Computerschrott zu reduzieren und dabei noch die Landwirtschaft zu fördern," so Wool.

Krähende Armaturenbretter

Doch nicht nur Platinen sollen mit den Hühnerfedern erzeugt werden.

Die Firma Featherfiber erwarb bereits eine Produktionslizenz und will die leichten und stabilen Kunststoffteile als Dächer, Büro-Trennwände und als Armaturenbretter in der Autoindustrie vermarkten.

Woll plant auch die Entwicklung von kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff aus Federn.

Erhitzt man die Federfasern unter Stickstoff, wird die Festigkeit um das Zwanzigfache gesteigert und die Größe um 80 Prozent geschrumpft. Das Material könnte dann in der Autoindustrie oder auch bei Tennisschlägern zum Einsatz kommen.