Software-Chaos beim FBI
Das FBI ist in einem großen Frühjahrsputz begriffen - es wird mit Software-Projekten aufgeräumt.
Das 170 Millionen Dollar teure Projekt "Trilogy/Virtual Case File", ein neues Polizei-Informationssystem, steht kurz davor, eingestampft zu werden. Nur zehn Prozent des Systems seien derzeit funktionstauglich, sowohl Lieferzeit als auch die Kosten seien bedeutend überschritten worden, hieß es seitens des FBI.
Die Lieferfirma Science Applications International Corporation [SAIC] - einer der etablierten Player des militärisch-elektronischen Komplexes der USA und dementsprechend auf diskretes Auftreten bedacht - wehrt sich nun öffentlich.
Die Begleitumstände des im Juni 2001 begonnenen Systems hätten eine "unglaubliche Herausforderung" dargestellt, sagt Duane Andrews, Chief Operating Officer von SAIC. Zum einen seien die Anforderungen an das Projekt wenige Monate nach dessen Start, nämlich nach dem 11.September, plötzlich völlig neu formuliert worden.
Am Wochenende wurde bekannt, dass auch der berüchtigte "Carnivore2" des FBI aus dem Verkehr gezogen wird. Dieser "flexibel konfigurierbare" Packet Sniffer, der auch E-Mails abfangen kann, war entwickelt worden, um die damals wenig ausgeprägte Überwachungsvorliebe der Provider zu kompensieren. Die mittlerweile große Anzahl an kommerziell verfügbaren Tools hat das FBI offensichtlich veranlasst, die eigene Entwicklung aufzugeben.
Carnivore geht in PensionDie "flash-cutover"-Strategie
Entscheidend zur Komplexität des Projekts habe der Umstand beigetragen, dass während der dreijährigen Entwicklungszeit des Systems vier verschiedene Chief Information Officers des FBI einander abgewechselt hätten, hieß es von SAIC weiter. Desgleichen wurden im Zuge der Umstrukturierung des FBI nach dem 11.September 2001 insgesamt 14 Projekt-Manager beim Projekt "Trilogy" ausgetauscht.
Erst nach den Empfehlungen des National Research Council im 2004 habe das FBI seine ursprüngliche Implementierungs-Strategie für das "Virtuale Case File"-System zugunsten einer "weniger riskanten" Einführungsweise aufgegeben.
Bis dahin hatte das FBI eine "flash cutover"-Auslieferung des Systems geplant, die bei Probeläufen stets zum Desaster geführt hatten.
Auf ganz ähnliche Weise, nämlich mit einem Hauruck-Verfahren wurde das deutsche Polizei-Infosystem im ersten Anlauf 2001 schwungvoll an die Wand gefahren.
Die Implementation von "Inpol"FICMS statt "Trilogy"
Auf einen Punkt gebracht: Der CIO der Firma SAIC, die seit 25 Jahren zu den Lieferanten der US-Bundespolizei gehört, hat damit nichts anderes als "Management-Chaos beim FBI hat das Projekt in's Trudeln gebracht" gesagt.
Ob es ein voller Absturz wird, ist nicht ganz sicher. Die Behörden sollen jedenfalls zu einem neuen System mit Namen dem Akronym FICMS oder "Federal Investigative Case Management System" neigen.
Die Software SAICs für die "Initial Operating Capability" des Systems sei bereits ausgeliefert und vom FBI abgenommen, hieß es abschließend von der Firma. Alle Seiten hätten Fehler gemacht und man hoffe auf weiterhin gute Zusammenarbeit.
170 Mio. USD für
