Die Spätfolgen des Sasser-Wurms
Wenn in diesem Frühjahr, wie erwartet, der Prozess gegen den Programmierer des Sasser-Wurms beginnt, könnte der nunmehr 18-Jährige Entwickler mit Einigem konfrontiert werden.
Der von der deutschen Staatsanwaltschaft ermittelte Schaden von rund 130.000 Euro wirkt vergleichsweise gering. "Weltweit kann sicher mehr als ein Million Euro Schaden entstanden sein", meint Oberstaatsanwalt Detlev Dyballa. "Wir haben das aber nicht abschließend ermitteln können."
Manche geschädigten Unternehmen wollten sich keine Blöße geben und seien daher "nicht unbedingt kooperativ" gewesen, so Dyballa. "Da ist ein bisschen gemauert worden." Gleichwohl sei eine Vielzahl Geschädigter ermittelt worden, zum Beispiel größere Gemeinden. "Und da kann man schon sagen: Das ist eigentlich ein dickes Ding."
Anfang Mai 2004 verbreitete sich "Sasser" blitzschnell. Fachleute schätzten damals, dass er allein am ersten Mai-Wochenende weltweit hunderttausende Computer befiel.
"Sasser"-Autor entwickelt nun FirewallsLanges Verfahren möglich
Dieses "dicke Ding" könnte ein sehr umfangreiches Gerichtsverfahren nach sich ziehen. Die Anklage hat rund 170 Zeugen benannt. "Wenn alle gehört werden, sitzen wir ein halbes Jahr lang", so der Anwalt des "Sasser"-Entwicklers, Jens Möwe.
Laut Dyballa müsste der Angeklagte nur ein glaubhaftes Geständnis ablegen - ähnlich wie er es bereits bei der Polizei getan habe - dann könnte man den Prozess "in eineinhalb Stunden zum Abschluss bringen."
Das deutsche Strafgesetzbuch sieht für Computersabotage bei Erwachsenen eine Geld- oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor. Da der Beschuldigte zur Tatzeit noch 17 Jahre alt war, kommt bei ihm ohnehin das Jugendrecht zur Anwendung, das neben Haft auch Sanktionen wie Verwarnungen oder Arrest mit Arbeits- oder Geldauflagen vorsieht.
Dem Prozess könnten weitere folgen. Denn sollten Geschädigte Schadenersatz haben wollen, müssten sie ihre Ansprüche in gesonderten Zivilverfahren geltend machen. Anwalt Möwe bezweifelt die genannten Schadenssummen. Da gebe es manchen Trittbrettfahrer. "Es werden Rechnungen präsentiert, die nicht nachvollziehbar sind", sagt er.
Anklage gegen "Sasser"-Entwickler
