26.10.2004

ÖSTERREICH

Big Brother Awards 2004 vergeben

Dienstag Nacht wurden die Gewinner des österreichischen Big Brother Awards bekanntgegeben.

Die Big Brother Awards, mittlerweile bereits eine Institution, zeichnen Firmen, Einzelpersonen und Körperschaften aus, die sich besonders der Verletzung der Privatsphäre verdient gemacht haben.

Besonders stark war heuer der Bereich "Video-Überwachung" vertreten. Vom Innenminister abwärts waren zahlreiche Bundes-und Regionalpolitiker von ÖVP, SPÖ und Freiheitlichen im Rennen um die bei den Empfängern wenig beliebten Preise.

Als absolut meistgenannter Kandidat erwies sich auch heuer wieder das "Bildungsdokumentationsgesetz" des Bildungsministeriums.

"Data Retention" und EU-Innenminister

In der Kategorie "Politik" erhalten die EU-Innen- und Justizminister von Schweden, Frankreich, Irland und Großbritannien den eher wenig begehrten Award.

Die Minister fordern in ihrem Richtlinien-Vorschlag zu "Data Retention", alle Kommunikationsdaten [Telefon, E-Mail, Internet, P2P, ICQ, etc.] präventiv drei Jahre oder sogar länger zu speichern.

Dies steht in krassem Widerspruch zur EU-Richtlinie und nationalen Datenschutzgesetzen.

Erstmals "Lebenslanges-Ärgernis-Elisabeth-Gehrer-Preis"

In der Kategorie "Kommunikation und Marketing" räumt der Mobilfunker Hutchison Austria einen Preis ab. Er gebührt ihm laut Big-Brother-Jury "für die Verbesserung des von T-Mobile eingesetzten, so genannten 'friendfinder'-Dienstes". Damit ist es möglich, einen anderen "3"-Kunden auf Knopfdruck zu lokalisieren - dank eingebautem Handy-GPS sogar auf wenige Meter genau.

Die Kategorie "Lifetime Achievment" wurde in "Lebenslanges-Ärgernis-Elisabeth-Gehrer-Preis" umbenannt - für die "nachhaltigste Annäherung an die Romanvorlage 1984", so die Jury - konkret geht es um die Bildungsevidenz, in der unter anderem auch Betragensnoten sechzig Jahre lang gespeichert werden. "Wäre die Bildungsevidenz schon in Kraft gewesen, als George Orwell im Jahr 1948 seine Novelle '1984' schrieb, wären die Daten auch all jener Schüler die zu diesem Zeitpunkt ihre schulische Laufbahn beendeten, von Gesetz wegen noch heute erhalten", so die Veranstalter.

Die Kategorie "People's Choice" wird heuer von der Linz Strom GmbH abgestaubt. In einer "Volkswahl" wurde hier zum Sieger gekürt, wer die meisten Stimmen erhielt. "Nichts unterlassen hat die Linz Strom, um ein ihr nicht genehmes Thema aus den Medien zu bringen, nämlich, dass die in Linz eingesetzte Powerline-Technologie Funkstörungen verursachen kann", so das Urteil von Jury und Wählern.