Big Brother Awards 2004 vergeben
Dienstag Nacht wurden die Gewinner des österreichischen Big Brother Awards bekanntgegeben.
Die Big Brother Awards, mittlerweile bereits eine Institution, zeichnen Firmen, Einzelpersonen und Körperschaften aus, die sich besonders der Verletzung der Privatsphäre verdient gemacht haben.
Besonders stark war heuer der Bereich "Video-Überwachung" vertreten. Vom Innenminister abwärts waren zahlreiche Bundes-und Regionalpolitiker von ÖVP, SPÖ und Freiheitlichen im Rennen um die bei den Empfängern wenig beliebten Preise.
Als absolut meistgenannter Kandidat erwies sich auch heuer wieder das "Bildungsdokumentationsgesetz" des Bildungsministeriums.
Geteert und gefedert
Insgesamt gibt es in sechs Kategorien Gewinner. Den ersten Preis
in der Kategorie "Business und Finanzen" holt diesmal der Grazer
Vergnügungstempel "World of Nightlife" nach Hause - wegen
"bedenkenloser Einführung von Überwachungstechnologien in den
Freizeit-Alltag. Ein knappes Dutzend unscheinbar angebrachter
Webcams überträgt live ins Netz, ausserdem wird fleissig auf
Technologien wie Fingerabdruckkontrolle gesetzt. Der Preis wird, wie
in allen Kategorien, geteert und gefedert überreicht.
"Teer und Federn für die Überwacher"
Fotos vom Event"Data Retention" und EU-Innenminister
In der Kategorie "Politik" erhalten die EU-Innen- und Justizminister von Schweden, Frankreich, Irland und Großbritannien den eher wenig begehrten Award.
Die Minister fordern in ihrem Richtlinien-Vorschlag zu "Data Retention", alle Kommunikationsdaten [Telefon, E-Mail, Internet, P2P, ICQ, etc.] präventiv drei Jahre oder sogar länger zu speichern.
Dies steht in krassem Widerspruch zur EU-Richtlinie und nationalen Datenschutzgesetzen.
Schweigepflicht und Amtsärzte
In der Kategorie "Behörden und Verwaltung" erhalten eine Reihe
von Wiener Amtsärzten kollektiv den Preis überreicht -
"stellvertretend für alle Amtsärzte, die ihre ärztliche
Schweigepflicht über Bord werfen und persönliche Daten von Patienten
ohne Bedenken an andere Behörden weitergeben". Besonders auffällig
war dies bei einem konkreten Fall im Februar dieses Jahres. Weil ein
Staatsbürger nach seiner Operation um steuerliche Erleichterungen
angesucht hatte, wurde schließlich ein Führerscheinentzugsverfahren
verhängt.
Mehr zum FallErstmals "Lebenslanges-Ärgernis-Elisabeth-Gehrer-Preis"
In der Kategorie "Kommunikation und Marketing" räumt der Mobilfunker Hutchison Austria einen Preis ab. Er gebührt ihm laut Big-Brother-Jury "für die Verbesserung des von T-Mobile eingesetzten, so genannten 'friendfinder'-Dienstes". Damit ist es möglich, einen anderen "3"-Kunden auf Knopfdruck zu lokalisieren - dank eingebautem Handy-GPS sogar auf wenige Meter genau.
Die Kategorie "Lifetime Achievment" wurde in "Lebenslanges-Ärgernis-Elisabeth-Gehrer-Preis" umbenannt - für die "nachhaltigste Annäherung an die Romanvorlage 1984", so die Jury - konkret geht es um die Bildungsevidenz, in der unter anderem auch Betragensnoten sechzig Jahre lang gespeichert werden. "Wäre die Bildungsevidenz schon in Kraft gewesen, als George Orwell im Jahr 1948 seine Novelle '1984' schrieb, wären die Daten auch all jener Schüler die zu diesem Zeitpunkt ihre schulische Laufbahn beendeten, von Gesetz wegen noch heute erhalten", so die Veranstalter.
Die Kategorie "People's Choice" wird heuer von der Linz Strom GmbH abgestaubt. In einer "Volkswahl" wurde hier zum Sieger gekürt, wer die meisten Stimmen erhielt. "Nichts unterlassen hat die Linz Strom, um ein ihr nicht genehmes Thema aus den Medien zu bringen, nämlich, dass die in Linz eingesetzte Powerline-Technologie Funkstörungen verursachen kann", so das Urteil von Jury und Wählern.
