Iris-Scanner lesen auch vom Blatt
Nach den zahlreichen Demonstrationen, wie Fingerabdruck-Scanner mit relativ einfachen Mitteln zu überlisten sind, wurde auch die Methode des Ablesens der Iris-Eigenschaften näher untersucht.
In der abgelaufenen Woche ist an's Licht gekommen, dass diese angeblich viel höhere Sicherheit bietende Methode ihre ganz eigenen Tücken hat.
Tsutomu Matsumoto, Professor an der Yokohama National University demonstrierte dem interessierten Publikum auf einer Biometrie-Tagung in London anhand eines Blatts Papier, dass verschiedene auf dem Markt befindliche Iris-Scanner sich durchaus mit gedruckten Abbildungen des Augensterns zufrieden geben.
Im Jahr 2002 hatte der japanische Mathematiker und Kryptograph einen ähnlich eindrucksvollen Stunt mit Gummifingern und Fingerabdruck-Scannern vorgeführt.
Schlimme GummifingerErstaunliche Fehlerraten
Zwei als sicher angepriesene und schon einige Zeit auf dem Markt befindliche Iris-Scanner produzierten je eine Fehlerrate von 100 Prozent. Das heißt, die gedruckte Iris wurde bei allen Versuchen als "echt" eingestuft. Eine weiteres Einlesegerät erkannte jede zweite gedruckte Iris nicht als Fälschung.
Cambridge-Professor John Daugman, der weltweit die unbestrittene Nummer eins unter den einschlägigen Forschern ist, zeigte sich besorgt, zumal die britische Regierung sich darauf festgelegt hatte, Iris-Erkennung ab 2007 in ihrer nationalen ID-Card einzuführen.
Laut Daugman lagen die Fehler nicht an Software oder Methode, sondern es war die falsche Hardware damit kombiniert. Wenn der nationale Plan für eine ID-Card funktionierte sollte, meinte der "Pate des Iris-Scans", dann müssten schon die richtigen Kameras gewählt werden.
Ein Pate mit Patenten
Diese Besorgnis Daugmans ist sehr gut zu verstehen, da der
Professor zahlreiche Patente auf Anwendungen und Methoden des
Iris-Scans sein eigen nennt. Eines davon ist so grundlegender Natur,
dass es bis jetzt weltweit kaum Anwendungen für Iris-Erkennung gibt,
die bei Daugman nicht lizenzpflichtig wären.
John Daugmans gesammelte Schriften zur Biometrie
Biometrics-2004
