11.10.2004

DEUTSCHLAND

Forderung nach Betriebsräten bei SAP

Seit mehr als 30 Jahren kommt der Softwarekonzern SAP ohne Betriebsrat aus. Wegen der geplanten Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa wollen die Gewerkschaften Verdi und IG Metall in der Walldorfer "SAP-City" Fuß fassen.

Die beiden Gewerkschaften sind sich allerdings nicht einmal einig, wer eigentlich für die 13.000 Mitarbeiter Deutschland zuständig ist.

"Hier arbeiten 80 Prozent Hochschulabgänger. Die sähen das eher als Einschränkung ihrer Einflussmöglichkeiten", erklärte einer von acht Arbeitnehmervertretern im SAP-Aufsichtsrat. Das informelle Gremium, das sich mindestens einmal wöchentlich zum "Jour Fixe" trifft, versteht sich als Interessenvertretung für die 31.000 Mitarbeiter - legitimiert vom Vorstand.

SAP ist damit das größte Unternehmen in Deutschland ohne Betriebsrat. Grundlage der Arbeit in der Mitarbeitervertretung ist ein sechsseitiges Papier, das ihre Rechte festlegt.

"Zahnlos und ärmlich"

Die Gewerkschaften IG Metall und Verdi finden "das schon ein bisschen ärmlich". Die acht SAP-Arbeitnehmervertreter seien kaum mehr als eine Feuerwehr. "Zahnlos" heisst heisst es von der IG-Metall. Die viel gepriesene "SAP-Kultur" sei tot, die Lohnerhöhungen mickrig.Viele Mitarbeiter hätten Angst.

Entstanden ist die "etwas andere Arbeitnehmervertretung" im Zuge des Börsengangs 1988. Damals durften die Beschäftigten zum ersten Mal Vertreter in den Aufsichtsrat wählen. Ein Konzernbetriebsrat hätte allein mehr als 30 Mitglieder, neun von ihnen müssten freigestellt werden.