Chicago wird Überwachungshochburg
Schon jetzt ist Chicago mit 2.000 über die Stadt verteilten Überwachungskameras eine der am besten observierten US-Städte.
Hoch entwickelte Überwachungssoftware und noch mehr Kameras, die zur "Terrorabwehr" bis 2006 installiert werden, werden die Bürger der Stadt nun auch zu den am genauesten beobachteten weltweit machen.
"Kameras sind wie Hunderte Augenpaare", erklärte Bürgermeister Richard M. Daley bei der Präsentation des Sicherheitsprojektes in diesem Monat. "Sie sind die zweitbeste Maßnahme nach der Positionierung von Polizisten, um die Stadt sicherer zu machen."
Kosten von 8,6 Mio. Dollar
Die Beschattungsoffensive in Chicago hat ihren Preis. 5,1
Millionen Dollar werden vom Bund für die Anschaffung der Hardware
bereit gestellt, weitere 3,5 Millionen investiert die Stadt in das
neue Computernetzwerk.
City of ChicagoAlarm bei verdächtigem Verhalten
Zusätzliche 250 Kameras werden bis 2006 in ein neu errichtetes Netzwerk integriert. Sie sind um 360 Grad schwenkbar und verfügen auch über ein Nachtsichtsystem. Die gelieferten Bilder können dabei bis zu 400fach vergrößert werden.
Da es kaum noch möglich ist, eine derart hohe Menge an Daten in Echtzeit durch Menschen auszuwerten, übernimmt eine Software die Vorauswahl und macht die Kontrollbeamten aufmerksam.
Im Visier der Software ist dabei jeder, der ziellos im Kreis herumspaziert, sich länger in der Nähe eines öffentlichen Gebäudes aufhält, sein Auto auf den Seitenstreifen eines Highways lenkt oder ein Paket ablegt und sich davon entfernt.
Wird eine dieser Verhaltensweisen entdeckt, wird das Bild der Person farblich markiert und die Beamten der Kontrollzentrale schicken die Polizei an Ort und Stelle.
Vernetzung mit privaten Sicherheitsfirmen
Auch die Notrufzentrale, bei der täglich 18.000 Anrufe eingehen,
hat Zugriff auf die Videobilder. Eine Vernetzung mit den
Überwachungskameras der privaten Sicherheitsfirmen ist ebenfalls
geplant.
US-Netz-Telefonie darf überwacht werden"Sind nicht bei Ihnen zu Hause"
Die Stadtverwaltung ist überzeugt, dass die neuen Maßnahmen Chicago sicherer machen werden.
"Der Nutzen übertrifft jegliche Empfindung der Bürger, dass Big Brother einen beobachtet, bei weitem", so Ron Huberman, Leiter des Büros für Katastrophenmanagement.
Doch Bürgerrechtler betrachten den Überwachungshunger der Stadtverwalter mit Skepsis.
"Bei der aggressiven Art und Weise, wie diese Überwachungsgeräte vermarktet und eingesetzt werden, fragt man sich, welche Art von Gesellschaft wir anstreben und wie weit wir die Gesetzeshüter in unser Privatleben vordringen lassen wollen", so Edwin C. Yohnka von der American Civil Liberties Union.
Das sieht Bürgermeister Daley naturgemäß anders: "Wir sind nicht bei Ihnen zu Hause oder im Büro, der Stadt gehören die Gehsteige, die Straßen und die Gassen."
Auf jeden 15. Briten kommt eine Kamera
Mit vier Millionen Kameras ist Großbritannien laut einer
EU-Studie das am meisten überwachte Land Europas: Auf 15 Einwohner
des Landes kommt eine Kamera. Auch die Akzeptanz ist in
Großbritannien besonders hoch. Während 90 Prozent der Briten die
Kameras befürworten, sind es bei den Österreichern nur 24 Prozent.
Wiener zweifeln an VideoüberwachungMehr Überwachung in Österreich
Auch hier zu Lande wird die Ausweitung der bisherigen Überwachungsmaßnahmen überlegt.
Derzeit gibt es laut der ARGE Daten rund 160.000 Überwachungskameras in Österreich, den Großteil davon in Kaufhäusern, bei Tankstellen und anderen privaten Einrichtungen. 1.200 befinden sich im Polizeieinsatz.
Innenminister Ernst Strasser [ÖVP] hat bereits den verstärkten Einsatz von Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen in Östereich angekündigt.
Zum Einsatz kommen sollen die Kameras etwa auf Flughäfen, auf Drogen-Umschlagplätzen sowie in belebten Einkaufsstraßen. Auch Kameras in öffentlichen Verkehrsmitteln seien vorstellbar.
Eine entsprechende Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes ist derzeit in Arbeit.
Strasser plant stärkere Videoüberwachung
