12.09.2004

MATRIX FORUM

Von Commons und Communities

Was führt und hält digitale Gemeinschaften zusammen, was macht ihren Erfolg aus? Was sind die Voraussetzungen für kollaboratives Handeln? Welche Einfluss haben Weblogs und Online-Communities auf die Politik und die Medienlandschaft? Welche Rolle spielen WLAN-Netze für die Zukunft der digitalen Gemeinschaften? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Experten im Prix Ars Electronica Forum, das sich der neuen Kategorie "Digital Communities" widmete. Unter den Diskutanten waren u.a. Howard Rheingold, Armin Medosch, Michael Eisenriegler und Joichi Ito.

Vor allem die Nutzung von freier Software und einfachen Tools, wie Wikis oder Weblogs fördern das Entstehen und die Verbreitung von digitalen Gemeinschaften.

Joichi Ito bewegt sich in vielen Online-Communities. Der Gründer und CEO der Venture-Capital Firma "neoteny" wurde vom World Economic Forum als einer von 100 "Global Leaders of Tomorrow" auserwählt. In seinem Weblog, das auch einen Chatroom hat , sind stets durchschnittlich 100 Leute online, Freunde aus aller Welt, erzählt der japanische "Starblogger".

Kultur ist Remix

"Realität und Vision der Digital Commons" war Thema des Prix Ars Electronica Forum IV. Stargast dieser Veranstaltung war Lawrence Lessig, der von den Medien gerne als "Elvis des Cyberspace" bezeichnet wird. Nicht zuletzt wegen seiner Vortragskunst.

Der Rechtsprofessor aus Stanford hält keine langweiligen Power-Pointpräsentationen, er vermittelt die komplexe Copyright-Thematik anhand plastischer Beispiele. Musik und bunte Flash-Animationen untermalen die Geschichte des Songs "My Life", der zunächst als Gitarren-Track unter einer "Creative Commons Lizenz" im Internet kursierte.

Die Violinen-Begleitung stammt von einer 17-Jährigen, die sich das File aus dem Internet holte, es veränderte und dann wieder zum freien Download ins Netz stellte - unter dem Titel "My Life changed". Das ist die Idee von "Creative Commons", bringt es Lawrence Lessig auf den Punkt: Zwei Fremde, die in keinerlei Beziehung zueinander stehen, können ein kreatives Werk schaffen, ohne Anwalt, komplett legal und ohne Copyrightverletzung.

Der amerikanische Verfassungsrechtler gründete an der Stanford University das "Center for Internet and Society". Dort entwickelte er mit Kollegen das alternative Lizenzmodell "Creative Commons". Es soll Kreativen, Musikern, Filmemachern oder Autoren die Möglichkeit einräumen, selbst darüber zu bestimmen, welche Rechte sie an ihren Werken behalten und welche sie abtreten wollen.