Xing-Nutzer wehren sich gegen Werbung
Das börsennotierte deutsche Soziale Netzwerk Xing wird nach Protesten künftig bei zahlenden Nutzern auf Werbung verzichten.
Nach dem Protest Tausender User hat Xing [früher: OpenBC] am Wochenende die im Dezember geschaltete Werbung wieder teilweise von seiner Seite entfernt. "Wir bedauern es sehr, dass wir die Situation falsch eingeschätzt haben", erklärte das Unternehmen in einer Internet-Mitteilung.
6.500 stimmten ab
Zuvor hatten über einen kurzerhand in eine Abstimmung umfunktionierten öffentlichen Xing-Termin mehr als 6.500 Nutzer, darunter auch zahlreiche aus Österreich, gegen den Schritt gestimmt.
Außerdem war Xing auch schon in zahlreichen Internet-Foren unter Beschuss geraten. Benutzer hatten den Eindruck, dass die Werbung passend zu den von ihnen angegebenen persönlichen Daten geschaltet wurde.
Werbefrei für Premium-Nutzer
Seit dem Wochenende sind die Profilseiten der rund 325.000 Premium-Mitglieder nun generell frei von Werbung. Für sie wird außerdem auf dem gesamten Portal keine Werbung mehr angezeigt. Die weiteren rund vier Millionen angemeldeten Benutzer, die keinen Mitgliedsbeitrag zahlen, müssen dagegen auf ihren Profilseiten weiterhin Werbung akzeptieren.
Viele Premium-Mitglieder hätten befürchtet, mit den Werbeeinblendungen auf ihrer Profilseite in Verbindung gebracht zu werden, räumte Gründer und Firmenchef Lars Hinrichs in seinem Internet-Blog ein. Manche habe die Möglichkeit beunruhigt, dass in ihrem Profil Werbeeinblendungen eines Wettbewerbers erscheinen könnten.
Bisher keine zielgerichtete Werbung
"Targeting - also die zielgruppengenaue Auslieferung von Werbung - gibt es derzeit noch nicht auf Xing, ist aber für die Zukunft geplant", erklärte das Unternehmen - was Hinrichs wiederum damit rechtfertigt, dass Xing mit den zusätzlichen Erlösen die Plattform rascher weiterentwickeln und bestehende Dienste, die bisher nur zahlenden Benutzern offenstünden, künftig auch Basismitgliedern zur Verfügung stellen könne.
Xing ist nicht das einzige Soziale Netzwerk im Internet, das wegen der Verknüpfung der Benutzerangaben mit Werbung und anderen Daten unter Beschuss gerät.
Erst im Dezember hatte die US-Plattform Facebook ihre Strategie dramatisch umkehren müssen, nachdem 85.000 Mitglieder gegen ein Werbeanzeigesystem "Beacon" protestiert hatten, das auf der Facebook-Seite des Internet-Benutzers etwa seine zuletzt im Internet gekauften Kinokarten, Filme und Flugtickets angezeigt hatte.
(dpa)
