Digitalfoto-Trends von der CES
Mit hochauflösenden Bildsensoren, drahtloser Datenübertragung und der Konvergenz von Digicam und Camcorder geht die Industrie ins Fotojahr 2008.
Da die wichtigste US-Fachmesse für Fototechnik, die PMA 2008, bereits am 31. Jänner ihre Pforten öffnet, hielten sich die großen Hersteller auf der derzeit laufenden Consumer Electronics Show [CES] in Las Vegas mit der Vorstellung neuer Geräte auf diesem Gebiet noch zurück.
Abseits des Mainstreams aus immer neuen bunten Kompaktkameras mit zu hohen Auflösungen zeichnen sich dennoch auch auf der CES die Konturen aktueller Trends im Bereich der Digitalfotografie ab.
Digicam mit Dienstleistung
Da wäre zunächst die Verknüpfung von Kameras mit Online-Dienstleistungen. Digicams mit WLAN-Verbindungsfähigkeiten gibt es ja schon länger, aber bisher konnten sich diese im Konsumentenbereich noch nicht durchsetzen. Panasonic kündigte daher auf der CES die Entwicklung einer kompakten Digitalkamera der Lumix-Reihe an, die WLAN-Verbindungsfähigkeit mitbringt und sich in den USA über das Hotspot-Netz von T-Mobile mit Googles Internet Picasa verbindet.
Im noch nicht bekanntgegebenen Kaufpreis soll die Gebühr für die einjährige Nutzung der 8.500 T-Mobile-WLAN-Zugangspunkte in den Vereinigten Staaten bereits enthalten sein. Immerhin war auch Kodak mit George Eastmans Angebot groß geworden, den Konsumenten die damals noch umständliche Handhabung des Films und der Weiterverarbeitung einfach dadurch abzunehmen, dass die Kunden ihre ganze Kamera über das damalige Netzwerk der Post an die Firmenzentrale schicken konnten, von wo sie mit den fertigen Bildern und frisch geladenem Film wieder zurückgesandt wurde.
Große Speicherchips
Ebenfalls von Panasonic stammt der erste Prototyp einer Speicherkarte im SDHC-Format, die 32 GB an Daten bei einer Übertragungsgeschwindigkeit von maximal 20 MB pro Sekunde aufnehmen kann. Darauf passen dann laut Herstellerangaben immerhin schon knapp fünfeinhalb Stunden Full-HD-Video in einer Auflösung von 1.920 mal 1.080 Bildpunkten. Den Erscheinungstermin gab das Unternehmen nicht bekannt.
Der taiwanesische Speicherprodukte-Hersteller Pretec übertrumpft Panasonic unterdessen mit einer frisch vorgestellten Compact-Flash-Karte, die 48 GB zu fassen vermag und sich mit einer Geschwindigkeit von 50 MB pro Sekunde befüllen lässt. Auch hier sind Preis und Verfügbarkeit noch nicht bekannt.
Camcorder und Digicam fusionieren
Wozu diese Karten außer für den Einsatz in Camcordern der neuesten Generation noch dienen könnten, zeigt die ebenfalls auf der CES vorgestellte Digitalkamera Casio Exilim Pro EX-F1, die bei einer Auflösung von sechs Megapixel eine Aufnahmegeschwindigkeit von 60 Bildern pro Sekunde schafft. Da die Kamera auch H.264-kodierte Filme in voller HD-Auflösung aufnehmen kann, ist hiermit wohl die Konvergenz von Digital- und Filmkamera erreicht. Auch ein HDMI-Port für den Anschluss an moderne HD-Monitore ist vorhanden.
Auch die restlichen technischen Daten des Geräts können sich sehen lassen. Der optische Zoombereich reicht von 36 bis 432 mm [auf Kleinbild-Bildwinkel umgerechnet] bei einer Lichtstärke von 1:2,7 bis 1:4,6, ihre Einzelbilder kann die Kamera sogar als RAW-Daten in Adobes DNG-Format abspeichern. Der Sensor der Exilim ist zur Bildstabilisierung beweglich im Gehäuse aufgehängt. Auf die Qualität der Optik und der internen Bildverarbeitung darf man gespannt sein.
In Österreich soll die Kamera laut Auskunft von Casio im März 2008 auf den Markt kommen, eine unverbindliche Preisempfehlung für Deutschland und Österreich liegt noch nicht vor. Nachdem das Gerät in den USA mit 999 US-Dollar bepreist ist, kann man für die hiesige UVP wohl mit einer ähnlich hohen Zahl in Euro rechnen.
Funk statt Kabelsalat
Auch Sony setzt auf Geschwindigkeit, allerdings in der Datenübertragung. Mit dem anlässlich der CES vorgestellten System TransferJet sollen sich Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 375 Mbps zwischen Unterhaltungselektronikgeräten übertragen lassen. Andere drahtlose Netzwerke sollen von TransferJet nicht gestört werden, so Sony, das die Technologie vor allem zur Übertragung von digitalen Filmen, Musikstücken und Bildern eingesetzt wissen möchte.
Die TransferJet-fähigen Geräte funken auf der Frequenz 4,48 GHz, können sich aber nur über eine Distanz von drei Zentimetern Daten zuschicken. Sony will die Technologie auch an andere Hersteller lizenzieren. Wann die ersten TransferJet-Gadgets auf den Markt kommen, hat der Konzern noch nicht verraten.
Low-End-DSLR
Auch der jüngste Spross der ursprünglich von Konica-Minolta übernommenen Sony-Spiegelreflexfamilie beherrscht diese Übertragungstechnik noch nicht. Die Alpha A200 ersetzt ab Februar die erste Sony-DSLR A100. Wie diese bringt sie einen CCD-Sensor im APS-C-Format und einer Auflösung von zehn Megapixel mit. Inklusive Optik [18-70 mm; 1:3,5-5,6] soll die A200 649 Euro kosten.
Da für die PMA auch von Pentax die Vorstellung der Einsteiger-DSLR K200 mit Zehn-MP-Sensor erwartet wird, ist die Zeit der Sechs- und Acht-Megapixel-Sensoren in digitalen Spiegelreflexkameras wohl abgelaufen.
