Mit dem Netz gegen Hollywood
Unter den streikenden US-Drehbuchautoren gibt es einen neuen Trend. Anstatt mit den Medienkonzernen über Internet-Tantiemen zu streiten, gründen sie selbst Start-ups, um sich mit ihrem Material direkt an die Kundschaft zu wenden.
Wie die "Los Angeles Times" am Montag berichtet hat, haben sich aus den Mitgliedern des streikenden Autorenverbandes Writers Guild of America bereits mindestens sieben Gruppen gebildet, die entsprechende Firmen gründen wollen. Im Hollywood-System sind die Drehbuchautoren meistens Angestellte der Studios. Diese halten auch die Rechte an den Materialien.
Wer an diesen Unternehmen beteiligt ist, verrät das Blatt nicht, der Autor des Artikels fühlt sich allerdings an die Gründung von United Artists erinnert, das von Charlie Chaplin und anderen Stars vor rund 80 Jahren gegründet wurde, um den alteingesessenen Studios Konkurrenz zu machen.
Risikokapital fließt
Laut Aaron Mendelsohn, einem Vorstandsmitglied der Writers Guild, gehen die Entwicklungen schnell voran. Wie die "L. A. Times" schreibt, hätten US-Risikokapitalgeber früher nicht gern in neue Netz-Unterhaltungsfirmen investiert. Das habe sich aber nach dem Kauf von YouTube durch Google geändert. Auch die US-Werbeszene investiere nun verstärkt im Web, was das Feld zunehmend interessant mache.
Als interessierten Kapitalgeber zitiert die "L. A. Times" Jim Breyer, Direktor bei Facebook und Teilhaber der Risikokapitalfirma Accel Partners. Breyer sagt, es sei höchst wahrscheinlich, dass seine Firma 2008 in besagte neue Firmen investieren werde.
Umgekehrte Machtverhältnisse
Unter den Unterhaltungssites, die in diesem Jahr Risikokapital erhalten hätten, befänden sich das von dem Comedian Will Ferell gestartete FunnyorDie.com und MyDamnChannel.com, das von dem ehemaligen MTV-Manager Rob Barnett ins Leben gerufen wurde.
Aus Kreisen der Writers Guild zitiert die "L. A. Times" Pläne der neuen Start-ups, nach denen neue Serien zuerst fürs Web produziert und dann durch Rechtevergabe an die klassischen Medien TV und Film refinanziert werden sollen. Früher, so das Blatt, habe das Internet als Talentpool für Film und Fernsehen gegolten. Nun verlagere sich der Fokus aufs Netz.
Gerade der Erfolg der Streikvideos der Writers Guild auf YouTube habe viele Drehbuchautoren zum Schritt in die Selbstständigkeit und ins Web ermuntert.
Leidensdruck erhöht
Die Drohung, eine eigene Konkurrenzveranstaltung im Web aufzubauen, soll natürlich den Druck der Drehbuchschreiber auf die Bosse der Medienkonzerne erhöhen helfen. Die klügeren unter ihnen haben längst eigene Internet-Videoprojekte in Arbeit.
Das bekannteste von ihnen dürfte das von Rupert Murdoch und NBC gegründete Portal hulu sein, eine Art werbefinanziertes YouTube, in dem sich das Publikum nach Belieben mit neuen Folgen der "Simpsons" und anderer Serienhits versorgen kann. Hulu ging Ende Oktober in den geschlossenen Betabetrieb. Die Inhalte des Portals sind leider nur aus den USA zugänglich.
(LA Times | futurezone)
