Microsofts Drang in neue Märkte
Der Softwareriese Microsoft will nicht nur bestehende Sparten pflegen, sondern neue Märkte erschließen - diese Botschaft versuchten die Chefs der sieben "Business Units" des Unternehmen anlässlich einer Analystenkonferenz zu transportieren.
Bis zur Marktreife des nächsten großen Produkts - des Betriebssystems Windows Longhorn - vergehen noch zwei bis drei Jahre. Die Lücke will MS mit einer Reihe von Softwarelösungen schließen, die per se nichts mit den bisherigen Produkten zu tun haben.
Die Ankündigung des Unternehmens, neue Wege zu beschreiten, kommt kurz nach der Veröffentlichung der gut ausgefallenen Jahreszahlen 2003.
Starke Gewinnsteigerungen
Microsoft hat im vierten Quartal und im gesamten Geschäftsjahr
2003/2004 [per 30. Juni] dank des guten Geschäfts mit seinem
Windows-Betriebssystem sowie seiner Office- und Server- Software
starke Gewinnsteigerungen verbucht.
Microsoft steigert Umsatz und Gewinn75 Mrd. USD für Aktionäre
Microsoft hatte vor mehreren Tagen eine Verdoppelung der regulären Dividende, eine einmalige Sonderdividende von drei USD je Aktie oder insgesamt 32 Milliarden USD sowie Aktienrückkäufe von 30 Milliarden USD über vier Jahre angekündigt.
Damit will Microsoft den eigenen Aktionären innerhalb von vier Jahren bis zu 75 Milliarden USD zukommen lassen.
Das künftige Wachstum soll erst einmal durch die Aufarbeitung der bestehenden Märkte erfolgen: Neue Kundenschichten sollen durch den Verkauf von Tablet PCs und der Entertainment-Software Windows Media Center erschlossen werden; außerdem hofft das Unternehmen, einige der 36 Prozent Windows-User, die unlizensierte Kopien des Betriebssystems im Einsatz haben, zu konvertieren.
Office soll in Asien mehr den Gepflogenheiten angepasst werden. So arbeitet Microsoft in Japan an einer Software, die automatisch per E-Mail Visitkarten-Daten abgleicht. In China bietet das Unternehmen eine lokalisierte Version mit einem Schreibassistenten zum Verfassen englischer Briefe an.
Doch die mittel- und langfristige Zukunft liegt in der Erschließung neuer Geschäftsfelder. Bill Gates, seines Zeichens Gründer und Chef-Softwarearchitekt von Microsoft, zeigte anlässlich der Analystenkonferenz neue Softwareideen, wie beispielsweise Sortieralgorithmen, die auf "intelligente" Weise Fotos sortieren - beispielsweise danach, ob sie im Freien oder im Haus gemacht wurden bzw. welche Gesichter aufscheinen.
Microsoft und IBM sind teuerste IT-MarkenSoftware für Handys
Auch Software für Handys, wie beispielsweise ein Barcodeleser, der über die eingebaute Handy-Kamera funktioniert, wurde vorgestellt. Mit diesen und ähnlichen Ideen will Microsoft ständig den Markt abtesten und bei erfolgsversprechenden Konzepten neue Märkte erschaffen.
Gleichzeitig betonte das Unternehmen, im laufenden Geschäftsjahr 6.000 bis 7.000 neue Mitarbeiter einstellen zu wollen - derzeit beträgt der Mitarbeiterstand 57.000. Bill Gates ist weiters stolz auf die Tatsache, dass MS am Patentamt rege verkehrt - immerhin 3.000 neue Patente sollen 2004 eingereicht werden.
An der Börse quittierte man die Überzeugungsversuch vorerst ungerührt: Die Aktien schlossen leicht niedriger mit einem Verlust von einem Prozent.
