Deutsche Telekom lehnt Sozialkodex ab
Gewerkschaft gegen Bund und Blackstone
Das Management der Deutschen Telekom AG lehnt einen von der deutschen Dienstleistungsgewerkschaft ver.di geforderten Sozialkodex ab. Ver.di richtet sich mit der Forderung an die Eigentümer des Bonner Konzerns, um Sozialinteressen stärker in den Vordergrund zu stellen.
Die Gewerkschaft will mit dem Kodex unter anderem die Mitarbeiter vor niedrigeren Löhnen, betriebsbedingten Kündigungen und längerer Arbeitszeit schützen. Großaktionäre sind der Bund und der Finanzinvestor Blackstone. Das Finanzministerium wollte sich dazu nicht äußern.
Privatisierung als Schrumpfungsprozess
Die Telekom sieht keine Notwendigkeit für einen Kodex. Ein Telekom-Sprecher sagte am Montag, der Konzern habe immer sozialverträgliche Lösungen beim Personalumbau gefunden. Im Schnitt verließen seit der Privatisierung im Jahr 1995 jährlich 10.000 Mitarbeiter den Konzern. Dabei verzichtete die Telekom auf betriebsbedingte Kündigungen.
Die Telekom-Führung werde getrieben vom Profitanspruch der Großaktionäre, kritisierte ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder. "Vom Management geht derzeit eine deutliche Überbetonung der Finanzinteressen aus." Schröder, der im Telekom-Aufsichtsrat sitzt, fordert auch einen Mindestlohn von 7,50 Euro. Der Konzernsprecher sagte, bei der Telekom werde mehr bezahlt.
Obermann will weiter abbauen
Um Kosten zu senken, gliederte Telekom-Chef Rene Obermann in diesem Jahr gegen den Willen von ver.di rund 50.000 Service-Mitarbeiter in konzerneigene Gesellschaften aus. Zudem sollen bis Ende des kommenden Jahres 32.000 Mitarbeiter den Konzern verlassen. Die Gewerkschaft befürchtet einen weiteren Verlust von Arbeitsplätzen, etwa bei der Geschäftskundensparte T-Systems, für die der Konzern einen Partner sucht.
(Reuters)
