Aufrüsten gegen den Handywurm
Der Boom der neuen Generation von Handys, die über Bluetooth- und GPRS- beziehungsweise 3G-Zugang zum Internet verfügen, hat die bis dato theoretische Bedrohung durch Viren schlagartig zu einer praktischen gemacht.
Besonders die Netzbetreiber in Fernost, wo der Boom begonnen hat, setzen nun Maßnahmen, um gegen den Ausbruch des ersten echten Handyvirus gewappnet zu sein.
Am weitesten fortgeschritten zeigt sich Südkorea, Marktführer SK Telecom hat dort seit Mitte Juni eine selbst entwickelte Anti-Virus-Software im Testbetrieb. "V3Mobile" soll alle mit "Wireless Internet Protocol Interoperability" [WIPI] ausgestatteten Handys vor Viren, Würmern und Dialer-Programmen schützen.
Ganz ähnlich wie die Virenschutzprogramme für PCs ermöglicht der "V3Mobile" Virenchecks während des Downloads, also in Echtzeit, bzw. auch Scans des gesamten Speicherbereichs. Dazu kommt ein Download-Mechanismus für neue Viren-Signaturen und eine Meldefunktion an den Netzbetreiber.
Das südkoreanische Softwarehaus AhnLab, das an der Entwicklung maßgeblich beteiligt ist, bietet eine Gratisversion des V3Mobile bereits an.
Die Produkte von AhnLabWurm-Distribution im Nahverkehr
Der Hintergund für diese rasche Entwicklung, an der neben NTT DoCoMo auch alle anderen großen Mobilnetzbetreiber in Japan, Südkorea, Hongkong, Taiwan und anderen Ländern beteiligt sind: Die Auspizien für einen ersten großen Wurmausbruch in der Mobilfunkwelt sind leider recht gut.
Zum einen dominiert das Symbian-Betriebssystem den weltweiten Handymarkt in einer Dimension, wie Microsoft den PC-Markt dominiert. Die Marktanteile des proprietären Symbian OS werden für 2004 auf 90 Prozent geschätzt.
Dazu kommt, dass die bisher vom Betreiber vollständig kontrollierten Handynetze nun mit dem Internet verbunden sind, und nicht nur das: Über Bluetooth können im Nahverkehr mit anderen Handys, PDAs, Notebooks etc. Dateien aller Art verbreitet werden.
Die hohe Sicherheit der Mobilfunk-Netze ist mit der einfachen Verbreitungsmöglichkeit von Binär-Dateien über das Handy und dessen Verbindung mit dem Internet naturgemäß nicht mehr gegeben.
Die Entwickler-Page von SymbanDie neuen Bluetooth-Zecken
Ein erster "Probewurm", der unter Laborbedingungen getestet wurde, um einmal zu sehen, wie echte Würmer aussehen könnten, wurde über eine SIS-Datei [Symbian-OS-Distributionsdatei] verbreitet, die sich als "Security Manager"-Dienstprogramm tarnt.
Für seine weitere Verbreitung sorgt der Wurm, indem er nach anderen Bluetooth-Handys Ausschau hält und an diese eine Kopie von sich selbst verschickt.
Ein Wurm als Security-Manager
