23.06.2004

STRATEGIE

Musikindustrie will CD nicht sterben lassen

Weil Handy-Klingeltöne boomen und CD-Singles sich immer schlechter verkaufen, will die Musikindustrie nun beides miteinander verknüpfen.

Mit einem mehr oder weniger neuen Format wollen die großen Musiklabels in Europa einen neuen Trend setzen: Die Pocket-CD mit einem Durchmesser von drei Zoll, also nur halb so groß wie die herkömmliche CD, soll neben Musikstücken auch Handy-Klingeltöne beinhalten.

Die CDs können am PC abgespielt und die Klingeltöne von dort aufs Handy überspielt werden.

Nachdem die Pocket-CD letztes Jahr in Deutschland bereits von Universal Deutschland, Sony Music und später BMG und EMI testweise verkauft wurde, will Universal das neue Format nächsten Monat auch nach Großbritannien bringen.

Glauben an CD bleibt bestehen

Vorerst werden 1.000 Einheiten von 16 Künstlern wie etwa 50 Cent und Black Eyed Peas ausgeliefert, der Preis dafür wurde noch nicht festgelegt.

Abgezielt wird vor allem auf ein jüngeres Publikum, das sich Musik und Ringtones eher aus dem Netz herunterlädt.

"Wir glauben daran, dass es noch eine Nachfrage für ein physisches Single-Format gibt, und hoffen, dass die Pocket-CDs durch die beigelegten Klingeltöne attraktiver werden", so ein Sprecher von Universal Music UK.

BMG Deutschland musste das Testprogramm jedoch mittlerweile wieder einstellen: Obwohl die Verkäufe zufrieden stellend waren, beschwerten sich Händler darüber, dass die CDs auf Grund ihres ungewöhnlichen Formats schwierig zu lagern seien.

RIAA klagt weiter

Die US-Musikindustrie kämpft unterdessen weiter gegen die Musikpiraterie und hat am Dienstag wieder 482 Personen geklagt.

Bereits Anfang 2004 hatte der einflussreiche US-Verband Recording Industry Association of America [RIAA] durch gerichtliche Schritte über 1.000 Computerbenutzern illegales Herunterladen von Songs aus dem Internet vorgeworfen.

Damit wurden nun seit 2003 insgesamt 3.429 Menschen gerichtlich belangt. Nach US-Medienberichten hat der Verband seine Klagen erneut gegen unbekannt erhoben, weil die Namen der Computerbenutzer nicht bekannt sind.

Die RIAA will die Verdächtigen anhand ihrer IP-Adressen ausfindig machen.