Copyright lässt US-Kids kalt
Über die Hälfte der US-Jugendlichen mit Internet-Zugang laden weiter Musik aus Tauschbörsen auf ihre Rechner, obwohl sie wissen, dass sie damit gegen das Gesetz verstoßen.
Dies ergab eine Umfrage von Harris Interactive im Auftrag der Business Software Alliance [BSA].
Demnach sind sich 88 Prozent der befragten acht- bis 18-Jährigen zwar im Klaren, dass Musiktitel meist urheberrechtlich geschützt sind, 53 Prozent lassen sich aber trotzdem nicht vom Downloaden abhalten.
Laut der Studie sorgen sich die Kids mehr darum, mit den Songs versehentlich einen Virus oder Spyware herunterzuladen, als mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.
Insgesamt wurden Mitte April dieses Jahres 1.183 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen acht und 18 Jahren befragt.
BSADie Beweggründe der Kids
"Es ist schon ein gutes Zeichen, dass die Jugend versteht, dass kreative Arbeiten urheberrechtlich geschützt sind," so BSA-Sprecherin Diane Smiroldo. "Weniger gut ist aber, dass sie trotzdem das Falsche tun."
Neben Musik lädt ein Drittel der Jugendlichen zudem Computerspiele, Software [22 Prozent] und Filme [17 Prozent] aus dem Internet herunter.
Als Beweggründe für den Online-Klau gaben mehr als die Hälfte der Jugendlichen an, einfach nicht das nötige Geld für den Kauf zu haben.
Ein Drittel sieht im Herunterladen kein Problem, da "es jeder tut", jeder Vierte begründete sein Handeln damit "niemandem damit weh zu tun".
Kids weihen Eltern in P2P ein
Doch die Kinder laden nicht nur Musik aus dem Netz, sie bringen
ihren Eltern auch die Benutzung von Tauschbörsen bei. Dies hat eine
US-Studie im Auftrag der Motion Picture Association of America
[MPAA] herausgefunden.
Eltern lernen Raubkopieren von den KidsDrei Jahre Haft ab 1.000 Songs
Die US-Unterhaltungsindustrie gibt jährlich Millionen von USD für Informationskampagnen zur Copyright-Erziehung von Kindern und Erwachsenen aus. So lässt die Musikindustrie Stars von Madonna über Stevie Wonder bis Mandy Moore gegen das Downloaden predigen, die Filmindustrie setzt auf Anti-Piraterie-Werbung in den Kinos.
Doch neben dem "Zuckerbrot" wird jedoch auch immer öfter zur "Peitsche" gegriffen. In den USA wurden seit dem Sommer 2003 über 2.500 Tauschbörsen-Nutzer von der Recording Industry Association of America [RIAA] verklagt, einige Beklagte waren gerade erst 12 Jahre alt.
Dabei bekommt die Industrie Unterstützung von dem Kongressabgeordneten Howard Berman [Demokrat, Kalifornien], der gemeinsam mit Lamar Smith [Republikaner, Texas] schon lange härtere Strafen für Online-Piraten fordert.
In einem gemeinsamen Gesetzesentwurf fordern die beiden eine Strafe von bis zu drei Jahren Gefängnis ab einem Tausch von über 1.000 Songs über Peer-to-Peer-Netze.
"Die Leute müssen Angst davor haben, erwischt zu werden," so Berman.
Berman hat letztes Jahr mit einem Gesetzesvorschlag ["P2P Piracy Prevention Act"] Aufsehen erregt, der Copyright-Inhabern erlauben sollte, sich in P2P-Netze zu hacken.
Keine Crack-Erlaubnis für MusikindustrieLegale Downloads stärken
Der ehemalige Grokster-Chef Wayne Rosso, nun bei Optisoft SL, dem Betreiber der Tauschbörsen Blubster und Piolet, sieht die Zukunft der Tauschbörsen in einer Kooperation mit den Unterhaltungskonzernen.
"Statt die Hälfte der Jugendlichen zu kriminalisieren und mit Haftstrafen zu drohen, wäre es nicht besser, dafür zu sorgen, dass sie legal und sicher herunterladen können?" so Rosso.
Bisher waren die Gespräche von Tauschbörsen-Betreibern und Urheberrechtsinhabern immer an den unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert.
