Recycling-Projekt "sinnlos" oder Vorbild
Um die Handy-Recycling-Aktion der Stadt Wien und der mobilkom austria ist ein handfester Streit entbrannt: 200.000 Euro habe die Aktion gekostet, kritisierte Donnerstag der grüne Umweltsprecher und Landtagsabgeordnete Rüdiger Maresch in einem Pressegespräch.
Das gesamte Projekt habe 540.750 Euro gekostet, 2.600 Handys seien zurückgegeben worden. Jede Handyrückgabe sei mit 77 Euro gefördert worden, rechnete der Grün-Politiker vor.
Die Handys würden in der Dritten Welt verkauft, einen Datenschutz für die Althandy-Daten gebe es nicht und die Stadt habe keinen Zugang zu einer Studie, die parallel zu dieser Aktion gemacht wurde und die von Wien mitfinanziert wurde.
Für Maresch ist die Aktion "ein sündteurer Flop", den die Umweltstadträtin zu verantworten habe.
Schließlich sei dieses Projekt auch völlig sinnlos gewesen, da es bereits eine EU-Richtlinie gebe, welche die kostenlose Rückgabe der Handys regelt und die auch in Österreich umgesetzt werden muss.
Mobilkom startet Handy-RecyclingKontra
"Das ist bezeichnend für die grüne Sinnkrise", kommentierte Heinz Hufnagl [SPÖ], Vorsitzender des Gemeinderatsausschuss für Umwelt, diese Äußerungen: "Maresch verabschiedet sich damit endgültig von den langjährigen Forderungen seiner eigenen Partei nach sinnvollen Abfallvermeidungsprojekten. Und das, obwohl bei den von der Stadt Wien geförderten Maßnahmen die größtmögliche Transparenz ohne jedwede politische Einflussnahme gegeben ist", betonte der Mandatar.
Tatsache sei, so Hufnagl weiter, dass das Projekt der mobilkom austria von einer internationalen unabhängigen Jury unter Vorsitz von Walter R. Stahel, Direktor des Institutes für Produktdauer-Forschung in Genf, zur Förderung empfohlen wurde.
"Wenn eine begrüßenswerte Großaktion zur Sammlung von Althandys erstmalig auf den Plan tritt, ist es wohl unvermeidlich, dieses Projekt entsprechend zu bewerben, die Kritik an den angeblich so hohen Kosten für die Öffentlichkeitsarbeit geht daher gänzlich ins Leere", meint Hufnagl.
Abfallvermeidung stehe weiterhin an erster Stelle im Wiener Abfallwirtschaftskonzept, schloss Hufnagl: "Die Stadt Wien fördert einschlägige Projekte mit jährlich fünf Millionen Euro - und das sehr erfolgreich, wie auch das Beispiel Althandy-Recycling zeigt: Die mobilkom austria hat auf Grund der positiven Erfahrungen in Wien beschlossen, das Projekt auf ganz Österreich auszudehnen."
Ausweitung des Projekts
Die mobilkom will künftig in ganz Österreich alte Handys sammeln. Bis zum Ende des Jahres werde das Unternehmen schätzungsweise 15.000 Altgeräte zusammenbringen, so Unternehmenssprecherin Elisabeth Mattes am Donnerstag in einer Aussendung.
Drei Euro pro zurückgegebenem Handy geht an die Hilfsaktion "Ärzte ohne Grenzen". Bisher wurden durch die alten Mobiltelefone fast 8.000 Euro an "Ärzte ohne Grenzen" gespendet, so die mobilkom.
Ab Sommer 2005 müssen gemäß der Elektronik-Schrott-Richtlinie flächendeckende Rücknahmesysteme für Altgeräte aufgebaut werden.
