Piratenjäger verheizen Raubkopien
Mit der Verbrennung beschlagnahmter Piraterie-Produkte hat die BSA [Business Software Alliance] am Mittwoch ihren Aufruf zum "Osterputz" begonnen.
Der Appell richtet sich vor allem an kleine und mittlere Unternehmen, da sie erfahrungsgemäß den höchsten Anteil eingesetzter raubkopierter Software aufweisen.
Daher will man die Firmen zur verstärkten Kontrolle ihrer Netzwerke und zur Festlegung strenger Richtlinien für ihrer Mitarbeiter bewegen.
Muster-Verpflichtungserklärungen und Netzwerk-Analyse-Tools stellt die BSA zum kostenlosen Download auf ihrer Website bereit.
Firmen sollen Piraterie mit Verträgen stoppen"Tankstelle inmitten sprudelnder Ölquellen"
Bei einer in Österreich und Deutschland durchgeführten Umfrage haben laut BSA ein Viertel der befragten mittelständischen Unternehmen angegeben, nie die Software- und Lizenzsituation im Betrieb zu überprüfen.
Zwar sei sich die BSA im Klaren, dass ihr Vorhaben im Moment noch einer Tankstelle inmitten eines Feldes sprudelnder Ölquellen gleiche, so Georg Herrnleben, BSA-Anti-Piraterie-Manager für Zentraleuropa, in Anspielung auf die vielen illegalen Bezugsquellen für raubkopierte Software.
Man versuche jedoch das Unrechtsbewusstsein der Unternehmen zu erhöhen und den Mehrwert der legalen Downloads, wie etwa die rechtliche Sicherheit und die garantierte Virenfreiheit, näher zu bringen.
Unternehmen müssen sonst mit zivilrechtlichen Schadenersatzforderungen rechnen, wobei der Mindest-Schadenersatz die doppelten Kosten des Softwarepreises beträgt. Damit werden die Lizenzen jedoch nicht abgegolten und müssen ebenfalls noch erworben werden.
Piraterierate sinkt
Der Einsatz raubkopierter Software ist 2002 weltweit von 40 auf
39 Prozent zurückgegangen. In Österreich ist die Piraterierate mit
einer Senkung von 33 auf 30 Prozent sogar stärker als im weltweiten
Durchschnitt gefallen. Im Jahr 1994 betrug die Rate noch 47 Prozent.
Software-Piraterie weltweit rückläufig300 Hinweise pro Jahr
Laut den Berechnungen der BSA könnten durch eine Senkung der Piraterierate auf 20 Prozent in der heimischen IT-Branche bis zum Jahr 2006 etwa 3.600 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.
Doch nicht nur Unternehmen sind im Visier der Piratenjäger, auch Privatpersonen, die gewerblich Raubkopien verbreiten, werden strafrechtlich verfolgt.
Jährlich gehen rund 300 konkrete Hinweise, oft anonym durch [ehemalige] Mitarbeiter betroffener Firmen, aber auch durch Privatpersonen, ein.
In der Fernwärme Wien wurden, ob des vielen Staubes mit Mundschutz ausgestattet ...
... einige Kisten beschlagnahmter Raubkopien von Georg Herrnleben [links] und BSA-Anwalt Guido Kucsko [oben und rechts] von der Kanzlei Schönherr medienwirksam in die Müllverbrennungsanlage gekippt.
Im vergangenen Jahr wurde laut Kucsko unter anderem gegen den nach eigenen Angaben "größten Raubkopierer Wiens", der sich seit rund 30 Jahren mit Raubkopien ein Zubrot verdiente, Privatanklage eingebracht, die zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung und zum Ersatz der Kosten des Verfahrens geführt hat.
