Österreichische IPv6-Initiative gestartet
Auf Grund der rasanten Zunahme von privaten Internet-Zugängen, aber auch anderen vernetzten Geräten wie Handys, Spielkonsolen, Handhelds und in Zukunft vielleicht gar Toastern und Kühlschränken droht in den nächsten Jahren eine Knappheit der IP-Adressen.
Weltweit bereitet man sich daher auf die Migration zum nächsten Protokoll IPv6 [Internet-Protokoll Version 6] vor.
Die Telekom Austria hat zu diesem Zweck nun mit Unterstützung der Universität Wien und der Telekom-Regulationsbehörde eine nationale IPv6-Initiative gestartet.
Gemeinsam mit ISPs, Netzbetreibern, Forschungsinstitutionen und der herstellenden Industrie soll ein österreichischer Migrationsplan entwickelt werden.
1.500 IP-Adressen pro Quadratmeter der Erde
Das aus den 70er Jahren stammende IPv4 ist theoretisch auf circa vier Mrd., praktisch auf 250 Mio. Adressen beschränkt. Derzeit sind weltweit etwa zwei Drittel des IPv4-Adressbereichs vergeben. IPv6 soll das auf 128 Bit erweitern und damit 2
128
[vier Mrd. x vier Mrd. x vier Mrd. x vier Mrd.] Adressen bereitstellen. Das entspricht Berechnungen zufolge 1.500 IP-Adressen pro Quadratmeter der Erde.
IP-Adressen werden knappAsien in Bedrängnis
Besonders in den rasch wachsenden asiatischen Staaten, denen bei der ersten Vergabe weniger IP-Adressen zugesprochen wurden, gehen langsam, aber sicher die IP-Adressen aus.
Zwar ist die Situation in den USA und Europa derzeit noch entspannt, da diese Regionen auf dem größten Vorrat an IP-Adressen sitzen. Doch selbst hier könnte mit der immer stärker werdenden Vernetzung von Geräten bald ein Engpass an IP-Adressen kommen.
Österreich hat in Summe etwa 800.000 IP-Adressen zu vergeben, die USA halten 70 Prozent aller IP-Adressen.
So halten etwa die US-Bildungsstätten Stanford und MIT jeweils mehr Adressen als die gesamte Volksrepublik China. China hat unter IPv4 rund 22 Mio. IP-Adressen für über 1,3 Mrd. Menschen zur Verfügung. Anfang 2004 gab es in China rund 30 Mio. PCs mit Internetz-Zugang.
Asien steigt auf IPv6 umMehr Sicherheit und Mobilität
Neben der Adressausweitung sorgt IPv6 als nächste Generation des Internets durch Verschlüsselung für mehr Sicherheit bei E-Commerce-Anwendungen, einer Vereinfachung der administrativen Aufgaben und verbesserter Skalierbarkeit und Mobilität.
EU-weit dient das Forschungsnetz GEANT [Gigabit European Academic Network Technology] mit zehn Gigabit pro Sekunde seit April 2003 als Versuchsanlage zur Erprobung neuer IPv6-Anwendungen und -Dienste.
Auch in Österreich wird bereits eifrig getestet. Derzeit läuft das Peering mit elf ISPs am Vienna Internet eXchange [VIX]-LAN.
Die teilnehmenden ISPs des IPv6-PilotsNationale Road-Map bis Ende des Jahres
Prognosen, wann die IPv6-Umstellung weltweit vollzogen werden soll, wollten bei der Pressekonferenz am Mittwoch weder TA-Technikleiter Helmut Leopold, der "Internet-Vater" Peter Rastl von der Uni Wien noch Telekom-Regulator Georg Serentschy abgeben.
"Die Frage ist nicht, wie schnell die Einführung erfolgt, sondern wie die Rahmenbedingungen sind", so Serentschy. Man wolle nicht international vorpreschen, sondern vor allem gut vorbereitet sein.
Bis Ende des Jahres sollen im Rahmen der IPv6-Initiative erste Entwürfe einer nationalen Road-Map zur Migration fetig gestellt sein.
Eine umfassende Vorbereitung ist auch notwendig. Experten schätzen, dass bei der Migration auftretende Sicherheitsprobleme weniger auf Grund von Mängeln des Protokolls selbst entstehen werden. Sie liegen vielmehr in der Umstellung von Name-Servern, Web-Servern und Browsern.
IPv6-Migration bringt Risiken
