21.03.2004

FRAUNHOFER

Software lernt "Gedanken lesen"

Das Fraunhofer-Institut hat auf der CeBIT in Hannover ein System vorgestellt, mit dem Rechner "Gedanken lesen" können:

Dabei werden die Gehirnströme des Menschen gemessen, die eine lernfähige Software analysiert und in Steuerungssignale umwandelt: "Man steuert den Rechner nur über Gedanken", erklärte Matthias Krauledat vom Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik [FIRST] am Samstag.

Derzeit sei es zum Beispiel möglich, simple Computerspiele damit zu bedienen, bei denen man einen Cursor nach rechts oder links bewegen muss. Bevor dies funktioniert, muss sich die Software aber auf die Gehirnströme der Testperson einstellen.

Dazu gibt der Mensch in Gedanken dem Rechner etwa 20 Minuten auf Kommando Links- und Rechts- Befehle. Das System misst dann, welche Gehirnströme bei den jeweiligen Befehlen ablaufen, und kann sie nach der Testphase von sich aus erkennen.

Lernfähig

"Unser Motto ist: "Let the machine learn", erklärt FIRST-Sprecherin Mirjam Kaplow. Bei anderen Projekten sei dies umgekehrt.

Da müssten die Testpersonen versuchen, ihre Gehirnsignale dem Computer anzupassen. Das könne bis zu 300 Stunden dauern. Deshalb sei die Technik des FIRST einzigartig.

Die Forschung konzentriert sich auf die Medizin. Die Forscher haben sich zum Ziel gesetzt, dass Menschen mit amputierten Gliedmaßen ihre Prothese vom Gehirn aus steuern können.

Versuche mit gesunden Menschen, die mit ihren Gedanken einen virtuellen Arm steuerten, seien erfolgreich verlaufen, berichtete Kaplow. Nun stünden Tests mit Betroffenen an.

Anwendungen

Theoretisch sei es mit dem System jetzt schon möglich, Text zu verarbeiten, erläuterte Krauledat. Dabei wird ein Ball auf dem Monitor zu den jeweiligen Buchstaben gesteuert.

Allerdings dauert dies noch recht lange. Ungefähr zehn Sekunden brauche es für einen Buchstaben. "Für Behinderte, die sich anders nicht mehr verständigen können, ist das aber eine Hilfe", meinte Krauledat.