Analysten zu TA-Plänen abwartend

10.09.2007

An der Börse heißt es nach der Bestätigung von Übernahmeplänen in Weißrussland durch die Telekom Austria abwarten. Auch wenn ein Investment in Weißrussland für die Analysten überraschend kommt, beurteilen sie die Marktchancen positiv.

Politische Risiken sind für die Börsianer kein großes Thema. Mehr Sorgen machen sie sich hingegen um die Ertragskraft der Telekom Austria [TA].

Durch eine Übernahme könnten in Aussicht gestellte Cash-Rückzahlungen an die Aktionäre bei der Telekom beeinträchtigt werden, erklärten die Analysten von JPMorgan.

Noch keine Gespräche mit Aktionären

Kritisch bewerten die Analysten, dass das TA-Management öffentlich bisher nur Pläne zur Übernahme der bosnischen BH Telecom erwähnt und mit den Aktionären noch nie über das Potenzial in Weißrussland diskutiert habe.

Hoffnungen auf eine starke Cash-Rückzahlung der TA an ihre Anleger könnten dadurch getrübt werden.

Wer steht auf der Liste?

Alfred Reisenberger von der UniCredit [CA IB] räumt jedoch ein, dass der finanzielle Spielraum für eine Milliardeninvestition bei der TA gegeben sei. Manche Analysten halten den kolportierten Kaufpreis von 1,6 Milliarden Euro allerdings für zu hoch gegriffen.

Unklar ist vor allem nach wie vor, ob die Telekom Austria die Nummer eins auf dem weißrussischen Markt, MTS [Mobile Telesystems], oder die Nummer zwei MDC/Velcom kaufen will.

Die TA hat für den 2. Oktober bereits eine Aufsichtsratssitzung angesetzt.

Kein Kommentar aus Weißrussland

In der Investor-Relations-Abteilung von MTS in Moskau wollte man vorerst keinen Kommentar abgeben. Beim Konkurrenten MDC/Velcom, der vor zwei Wochen komplett an den zypriotischen Investor SB Telecom verkauft worden war, war am Montag niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

MTS verfügt laut JPMorgan derzeit über 3,6 Mio. Kunden und 52 Prozent Marktanteil, Velcom über 43 Prozent Marktanteil und 2,9 Mio. Kunden - bei einer Marktpenetration im Mobilfunk von 64 Prozent und einem Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt, das mit 6.950 Dollar [5.038 Euro] noch deutlich unter dem osteuropäischen Durchschnitt liegt.

Wachstumspotenzial mit Lücken

Einhellig positiv beurteilen die Analysten daher das Marktwachstumspotenzial. Zu bedenken geben sie allerdings, dass über beide Unternehmen kaum Umsatz- und Ertragskennzahlen verfügbar seien.

Die TA selbst betonte am Montag lediglich, dass sie weiterhin nur "profitabel wachsen" wolle und sich weiter "der in der Vergangenheit wiederholt unter Beweis gestellten Finanzdisziplin verpflichtet" fühle.

Die TA-Aktie legte am Montag in einem schwachen Börsenumfeld leicht um 0,65 Prozent auf 18,62 Euro zu. Am Freitag war der Kurs um drei Prozent gefallen.

(APA)