09.03.2004

MUSIK

"Technische Lösung" für Piraterieproblem

Im Kampf gegen Musik-Downloads hat die US-Musiklobby RIAA jetzt eine neue Karte ausgespielt: Zusammen mit der Firma Audible Magic versucht die RIAA US-Politiker davon zu überzeugen, dass der Tausch von urheberrechtlich geschütztem Material technisch einfach und praktikabel zu verhindern ist.

Audible Magic entwickelt schon seit einigen Jahren ein Monitoring-Tool, das Dateiinhalte automatisch und in Echtzeit erkennen soll. Ziel ist dabei das gezielte Aufspüren von geschützten Musikdateien und in der Folge die Möglichkeit, deren Versand zu unterbinden.

Bei der aktuellen Lobbyarbeit der RIAA [Recording Industry Association of America] scheint allerdings keine Rolle zu spielen, dass die Praxistauglichkeit der Audible-Magic-Software weithin angezweifelt wird:

Zielrichtung scheint eher zu sein, den Druck auf die Anbieter von Filesharing-Software zu erhöhen, die laut der RIAA den Beweis für die grundsätzliche Aufrichtigkeit ihrer Nutzer nicht erbringen wollen und können.

Audible Magic

Audible Magic hatte schon vor zwei Jahren im Netzwerk der Universität von Wyoming mit Feldtests seiner Software begonnen.

Im letzten September musst das Unternehmen dann eingestehen, dass die Tests mit dem Netzwerk-Schnüffeltool nicht wirklich erfolgreich waren. Als Konsequenz wurde allerdings nicht das Ziel des Netzwerk-Monitoring nach geschützten Inhalten in Echtzeit aufgegeben, sondern ein neuer Partner ins Boot geholt:

Man habe sich mit dem erfahrenen Netzwerk-Spezialisten Palisade Systems zusammengetan und arbeite nun gemeinsam an dem Projekt, verkündete Audible Magic. Kombiniert mit der Netzwerk-Technologie von Palisade solle jetzt "ein zuverlässiges Überwachungssystem für Netzwerk-Administratoren und Urheberrechtsinhaber" entwickelt werden.

Neue Karte im Poker

Bezeichnenderweise will die RIAA derzeit gar nicht erreichen, dass die Audible-Magic-Software oder ähnliche Produkte per Gesetz für P2P-Software oder Provider vorgeschrieben werden:

Stattdessen hofft man auf die freiwillige Implementierung durch die Hersteller von P2P-Software. Durch diesen Schachzug will die RIAA offensichtlich vor allem den Druck auf die Anbieter von P2P-Software erhöhen.

Diese hatten immer wieder beteuert, dass sie weder für die getauschten Inhalte verantwortlich noch in der Lage seien, diese technisch zu kontrollieren. Die von KaZaA-Betreiber Sharman und Altnet gegründete P2P-Lobby DCIA [Distributed Computing Industries Association] lehnte die Implementierung der Audible-Magic-Software denn auch umgehend ab, weil diese technisch unzulänglich sei.

Diese Begründung bringt die P2P-Betreiber allerdings in die Defensive, da sie sie vor einem entsprechenden Versuch nicht beweisen können - ein klarer Punktesieg für die RIAA im politischen Poker um den Online-Musiktausch.