Linux weltweit im Unterricht

04.09.2007

Am Mittwoch startet in den Holland die offene Lehr- und Lernplattform SELF zum Einsatz freier Software im Unterricht. Universitäten von Argentinien bis Indien sind dabei, logischerweise folgt die Website dem bewährten Wikipedia-Modell.

Immer mehr freie Software, die sich in Funktionsumfang und Features längst mit kommerziellen Softwares messen kann, kommt auf den Markt. Dem steht ein signifikanter Mangel an freien Kursangeboten und Unterrichtsmaterial gegenüber.

Gerade in Bildungsinstitutionen, die nicht direkt mit Technologie zu tun haben, ist in der Regel viel zu wenig Wissen darüber vorhanden, was unter Einsatz sehr geringer Mittel mit freier Software im Unterricht schnell möglich wäre.

Bulgarien bis Mexiko

Eine internationale Gruppe von Non-Profit-Organisationen, Universitäten und Freiwilligen hat sich deshalb letztes Jahr zum Projekt SELF [Science, Education and Learning in Freedom] zusammengeschlossen, um über eine zentrale Plattform Zugang zu didaktischem Material über freie Software und offene Standards zu geben.

Der offizielle Start findet im Rahmen einer Konferenz zu freier Software im Unterricht in den Niederlanden statt und wird weltweit durch eine Anzahl paralleler Veranstaltungen in Argentinien, Bulgarien, Indien, Mexiko und Schweden begleitet.

Wiki, Jabber, Mailing-List

Die zentrale Frage dabei ist: Welche freien Programme sind zu welchem didaktischem Zweck im Unterricht einsetzbar?

Ein beliebiges Beispiel: Der Einsatz eines Wikis in Kombination mit einer Mailing-List und dem Chat-Programm Jabber bei einer Gruppen-Projektarbeit. Wer damit noch nie gearbeitet hat, weiß auch über die jeweiligen Stärken und Möglichkeiten der genannten Anwendungen nicht Bescheid.

Beta als Absicht

Damit nun nicht in jeder nationalen Bildungsinstitution der Pinguin sozusagen neu erfunden muss, soll das Projekt SELF on Beginn dem Erfahrungsaustausch dienen.

Dass man mit einer Beta-Version startet, geschieht nach Angaben der Betreiber mit aller Absicht. Die endgültige Struktur der Website soll nämlich gemeinsam mit der sich bildenden Community erarbeitet werden.

Modularer Kurs

Auf der SELF-Plattform finden sich ab Mittwoch frei verfügbare Kursunterlagen zu freier Software und offenen Standards. Einzelne Lerninhalte können modular zu einem maßgeschneiderten Kurs in der jeweiligen Muttersprache zusammengefügt werden.

Ein Satz von grundlegenden Dokumentationen über freie Software, wie OpenOffice, Gimp - um nur die bekanntestenzu nennen - rund um das GNU/Linux-Betriesystem wurden von einem Expertenteam auf Qualität, freie Lizenz und Gültigkeit überprüft. Das Resultat ist ein Grundstock an qualitativ hochwertigem Lernmaterial in vielen Sprachen, das in die SELF Plattform eingespeist wurde.

Das Wikipedia-Modell

Die SELF Plattform funktioniert nach dem Wikipedia-Modell, jeder Benutzer kann Inhalte anpassen, verfassen, übersetzen und einfügen.

"Die SELF-Plattform wird IT-Ausbildungen weltweit nachhaltig verändern", sagt Joachim Jakobs von der Free Software Foundation Europe: "Wir hoffen, dass dieses Modell auch für andere Wissensbereiche adaptiert wird."

JUX für die Jugend

Was sich didaktisch mit freier Software bereits für das früheste Jugendalter anfängen lässt, zeigt zum Beispiel die österreichische JUX-Distribution.

Drei Versionen eines auf Linux basierenden Betriebssystems sind mit verschiedenen Programmkombinationen auf drei verschiedene Altersgruppen zugeschnitten, vom Vorschulkind bis zum Jugendlichen. Für die Version für die Kleinsten "Juxlala" wurde zum Beispiel ein eigener Kinder-Desktop mit großen Icons und Sprachunterstützung entwickelt.