Autoren-Krieg löst Virenflut aus
In den letzten Tagen überbieten sich die Antiviren-Softwarehersteller mit ihren Warnungen vor neuen E-Mail-Viren.
Dabei trafen vor allem Nachfolger der bereits bekanntesten Neuzugänge dieses Jahres ein. "Mydoom" ist derzeit in der Variante H anzutreffen, "Beagle" hat sich bereits bis K "weiterentwickelt" und "Netsky" ist derzeit bereits als F-Version unterwegs.
Obwohl nicht alle von ihnen auch wirklich eine Bedrohung für den PC darstellen, so ist das vermehrte E-Mail-Aufkommen doch Zeit und Kosten raubend.
Vor allem scheint sich zwischen den Virenschreibern ein regelrechter Krieg abzuzeichnen - in den Quellcodes der Viren beschimpfen sich die Autoren gegenseitig. Das lässt für die nächste Zeit neue Varianten befürchten.
"Bagle.J" vom Dienstag beispielsweise enthielt eine Warnung an die Autoren des Netsky-Virus: "Hey, Netsky, ... don't ruine our business, wanna start a war?"
Die Eitelkeit von Wurm-SchreibernGegenseitiges Beschimpfen
"Mydoom.G", der ebenfalls am Dienstag zum ersten Mal gesichtet wurde, hatte auch eine Nachricht an die Netsky-Autoren:
"To NetSky's creator[s]: imho, skynet is a decentralized peer-to-peer neural network. we have seen P2P in Slapper in Sinit only. they may be called skynets, but not your...app." [In seiner zweiten Version beschwerte sich der Netsky-Autor, dass die Virenspezialisten den Wurm falsch benannt haben. Eigentlich hätte er Skynet heißen sollen].
Die Netsky-Autoren antworteten in der letzten Variante [F]: "Skynet AntiVirus - Bagle - you are a looser!!!!" und "MyDoom.f is a thief of our idea!"
Graham Cluley vom Virenspezialist Sophos glaubt, dass die Bagle- und Mydoom-Autoren über die Aufmerksamkeit, die Netsky erhält, nicht glücklich sind. Laut Cluley sind die Varianten nur so weit verändert, damit die Virenspezialisten eine neue Warnung auf ihren Websites posten.
Eine andere Theorie besagt, dass Bagle und Mydoom sich um infizierte Rechner duellieren, während Netsky versucht beide wieder zu deaktivieren. Einige halten die Virenscheiber überhaupt für eine Bande Kindsköpfe.
Neuer Netsky-Wurm wütet in ÖsterreichHohe Kosten für ISPs
Die immer stärker werdende Virenwelle verursacht auch bei den Internet Service Providern [ISP] hohe Kosten. Für 2004 schätzt die P2P-Management-Firma Sandvine die bei den US-Providern anlaufenden Kosten auf 245 Mio. USD, weltweit auf 370 Mio. USD.
Diese Zahlen können jedoch nur eine Schätzung sein und sind bei zahlreichen Outbreaks im laufenen Jahr wohl absolet.
Diese Zahlen beinhalten die Kosten für das Tactical-Response-Personal, erhöhter Telefonsupport für Kunden sowie höhere Übertragungskosten. Sandvine schätzt, dass zwischen zwei und zwölf Prozent des täglichen E-Mail-Verkehrs eines Providers Malware ist. Auch auf einem gut gesicherten Netzwerk soll der Anteil immer noch bei fünf Prozent liegen.
