Yline-Beweismaterial gestohlen
Bei den Ermittlungen wegen Millionenbetrugs rund um die Pleite des Wiener Internetunternehmens Yline ist entscheidendes Beweismaterial verschwunden.
Die Staatsanwaltschaft Wien hat einen Bericht des Nachrichtenmagazins "profil" bestätigt, wonach im Dezember 2002 zehn Notebooks kurz nach Sicherstellung aus dem abgestellten Wagen der Wiener Polizei gestohlen worden sind.
Die Notebooks, die bis heute nicht wieder aufgetaucht sind, sollen den Vorständen und anderen führenden Managern von Yline gehört haben.
Trotzdem verfolgt die Staatsanwaltschaft derzeit eine heiße Spur.
Die Ermittlungen wurden auf Liechtenstein ausgedehnt und konkrete Einvernahmen angekündigt. Noch in diesem Jahr könnte es zu ersten Anklagen kommen.
Die Spur führt die Ermittler zur Liechtensteiner Privatstiftung Spinola. Der Grüne Abgeordnete Peter Pilz hatte zuletzt erklärt, dass über diese Stiftung möglicherweise die Millionen verteilt wurden, die aus dem Yline-Coup lukriert worden sein sollen. Der Staatsanwalt hat am Dienstag einen Amtshilfeantrag an das Fürstentum bestätigt. Auf die Liechtensteiner Fährte gekommen sind Ermittler über die YLine-Tochter WebLine, die seit vergangener Woche in heimischen Medien für Aufregung sorgt. Der damalige Sacheinleger Josef Pfleger soll die Internet-Porno-Firma laut Pilz am 4. Februar 2000 für rund 174.000 Euro gekauft haben und kurze Zeit später, nämlich Anfang März, für 1,5 Mio. Euro an Yline weiterverkauft haben.
Leichenschau im Yline-KellerBöhm noch nicht befragt
Ähnlich wie im Fall WebLine dürften auch andere Yline-Übernahmen abgelaufen sein. Im Schnitt sollen die zahlreichen in die Yline eingebrachten Firmen um das Zehn- bis Zwanzigfache überbewertet gewesen sein.
Ein Gutachten im Auftrag des Masseverwalters wirft den Verdacht auf, dass sich Verkäufer aus dem Umfeld der Yline auf diese Weise um mindestens 36 Mio. Euro bereichert haben könnten.
Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits gegen 22 Verdächtige aus dem Kreis des Yline-Vorstands, des Aufsichtsrats und der Wirtschaftsprüfung des Unternehmens. Geprüft wird unter anderem der Verdacht auf Anlagebetrug, Untreu, betrügerische Krida und Insiderhandel; für alle Angesprochenen gilt die Unschuldsvermutung.
Groß angelegte Verhöre hat es bisher noch nicht gegeben, selbst der frühere Yline-Chef Werner Böhm ist bisher noch nicht befragt worden.
Yline-Gründer Böhm im Visier der Justiz
