Roaming-Preise in EU stark gesunken

studie
23.08.2007

Umsatzeinbußen für Mobilfunker prognostiziert

Niedrigere Kosten bei Auslandstelefonaten kommen zwar den Konsumenten entgegen, für die heimischen Handynetzbetreiber hat die kürzlich beschlossene EU-Roaming-Verordnung aber deutlich negative Auswirkungen: Ihnen drohen Umsatzeinbußen von bis zu vier Prozent und Rückgänge beim operativen Ergebnis von bis zu acht Prozent, erwarten die Berater von Roland Berger Strategy Consultants. Die Mobilfunker müssten sich daher neuen Produktfeldern wie Mobile-TV und mobiles Internet zuwenden und außerdem Kosten einsparen.

Provider in der Zwickmühle

Das sei aber gar nicht so einfach, da die Abschaffung der Subventionen für Endgeräte - ebenso wie eine Preiserhöhung - wegen des starken Wettbewerbs nicht infrage komme. Derzeit schießen die Mobilfunkbetreiber laut den Angaben rund 200 Euro pro Gerät zu, was Kosten von bis zu einer Milliarde Euro pro Jahr verursacht. Ein Stopp der Subventionen würde die zu erwartenden Gewinneinbußen zwar überkompensieren, sei aber - trotz bereits spürbarer Einschränkungen - nicht zu erwarten. Einsparungen in anderen Bereichen könnten außerdem zu einer schlechteren Qualität der Dienste führen.

Für ebenso unwahrscheinlich halten die Berater eine Erhöhung der Gesprächstarife im Inland. Die aktuell stattfindende Preisschlacht und die wachsenden Marktanteile der Diskontanbieter stünden dem entgegen. Auch eine Zunahme der Handynutzung im Ausland könnte den zu erwartenden finanziellen Schaden nicht kompensieren, so Roland Berger. Daher sollten die Mobilfunker ihre Geschäftsfelder erweitern und Bereiche wie Fernsehen auf dem Handy und mobile Bankdienstleistungen forcieren.

Kaum Expansionsmöglichkeiten

Weitere Wachstumsstrategien seien Zukäufe im Inland und die Expansion ins Ausland. In Österreich gebe es aber derzeit keine offiziellen Übernahmekandidaten, und den Schritt über die Grenzen könnten sich nur die großen Anbieter leisten. "Schnäppchen sind mittlerweile kaum noch zu bekommen", sind die Consulter überzeugt. Außerdem seien Ergebnisausfälle dadurch nur mittel- bis langfristig auszugleichen.

Erfolgversprechender - vor allem für kleinere Handynetzbetreiber - sei, sich als virtueller Mobilfunkanbieter im Ausland zu etablieren. Überlegungen dazu würden aufgrund des sehr niedrigen Preisniveaus in Österreich bereits angestellt. In vielen mittel- und osteuropäischen Staaten erreiche die Marktdurchdringung gerade jene 70 Prozent, ab denen der Einstieg für Diskontanbieter ohne eigenes Funknetz interessant sei.

Verbraucher profitieren

Dem Verbraucher bringe die neue EU-Richtlinie letztendlich Einsparungen von bis zu 50 Prozent bei Gesprächen im EU-Ausland. Derzeit würden die Tarife im Schnitt aber noch um elf Prozent [aktiv] bzw. 19 Prozent [passiv] über dem verordneten Niveau liegen. Kritisiert wird von Roland Berger außerdem, dass SMS und mobiles Internet nicht von der Verordnung betroffen sind.

(APA)