Games zwischen Geld und Unabhängigkeit

22.08.2007

"Die Industrie ist wie ein einarmiger Bandit: Jeder wirft möglichst viel Geld ein und hofft, dass er gewinnt", meint Mark Morris vom unabhängigen Game-Studio Introversion. Im Gespräch mit ORF.at erklärt er, warum es Games wie "Uplink" und "Darwinia" trotzdem gibt.

Introversion ist das absolute Gegenteil der aktuellen Spieleindustrie. Die insgesamt sieben Mitglieder setzen nicht auf den Geschmack des Massenmarkts, sondern machen prinzipiell nur Spiele, die ihnen auch selbst Spaß machen.

Ihre Spiele "Uplink", "Darwinia" und "Defcon" haben einige Preise eingeheimst und sich trotzdem oft genug verkauft, dass alle davon leben können und genug Geld übrig bleibt, um neue Spiele zu entwickeln.

"Wir hatten keine Ahnung vom Geschäft"

Dabei war der Anfang alles andere als einfach, erzählt Mitgründer Morris auf der GCDC in Leizpig, der Entwicklerkonferenz im Rahmen der Spielemesse Games Convention [GC]. "Wir hatten keine Ahnung, wie die Industrie funktioniert."

"Uplink" wurde vom kreativen Mastermind Chris Delay als jenes Spiel geschaffen, das er selber gerne spielen wollte. "Wir haben uns ein Jahr gegeben, um zu schauen, ob es funktioniert, ob es sich verkauft. Wenn nicht, hätten wir zugemacht", erzählt Morris.

Bei "Darwinia" ging Introversion auf halbem Weg das Geld aus - dennoch wurde es fertiggestellt und sorgte mit seinen Einnahmen dafür, dass das nächste Spiel, "Defcon", entwickelt werden konnte. "Wir haben an das Spiel geglaubt", sagte Morris.

"Uplink" ist eine Hacker-Simulation, "Darwinia" ein Echtzeitstrategiespiel im 3-D-Retrodesign, bei dem der Spieler eine Vireninfektion besiegen muss. "Defcon", ebenfalls ein Echtzeitstrategiespiel, basiert auf dem Film "Wargames" und ist das jüngste Werk von Introversion.

Selbstwusst und diszipliniert

Selbstbewusstsein ist eine der augenscheinlichsten Eigenschaften von Introversion, das zeigte sich auch bei Morris' Vortrag im Rahmen der GC. Publisher seien eigentlich nur dazu da, Geld für die Entwicklung der Spiele herzugeben, so Morris.

Er warnte die Zuhörer eindringlich davor, ihre Ideen und ihre Kreativität in den Dienst eines fremden Geldgebers zu stellen und sich damit seinen Ideen und seinem Geschmack auszuliefern.

Marketing, Rechtsberatung, Vertrieb - alles sollte ein unabhängiges Game-Studio möglichst selbst machen, um sich seine Unabhängigkeit zu bewahren. Entwickler sollten zudem keine fremden Ideen lizenzieren, sondern eigene Ideen umsetzen.

"Es ist auch viel Glück dabei"

Dem Einwurf aus dem Publikum, dass das viel Arbeit und Disziplin erfordere, gab Morris recht, und auch jenem, dass dadurch das Risiko größer sei. Aber: "Es gibt dabei auch mehr zu gewinnen."

Der größte Gewinn sei die Kreativität, die man sich mit der eigenen Unabhängigkeit bewahren könne, so Morris gegenüber ORF.at. Dass Unabhängigkeit, harte Arbeit und zumindest ausreichend Geld alleine nicht zum Erfolg führen, gibt auch Morris gegenüber ORF.at zu: "Es ist eine große Portion Glück dabei."

Introversion ist eines der wenigen Studios, die ihre Spiele auch für Linux und Mac herausbringen. Verdienen würde Introversion mit den Linux-Versionen allerdings kaum, so Morris: "Die Linuxer wollen alles gratis."

"Eher explodieren wir"

Der Umkehrschluss, dass Versagen Glücklosigkeit bedeute, sei aber nicht zulässig: "Man kann selber einiges tun, um Dinge erfolgreich zum Abschluss zu bringen." Ein wichtiger Teil dabei sei etwa die Möglichkeit, Spiele übers Netz zu vertreiben.

Für ihn bedeute Unabhängigkeit, sich zwischen kreativer Freiheit und und Sicherheit durch einen großen Geldgeber zu entscheiden. Wichtig sei dabei, nicht zu schnell zu wachsen und so über alles den Überblick behalten zu können: "Du musst deine Stärken nutzen."

Ob der Enthusiasmus sich auf lange Zeit halten kann, weiß auch Morris nicht: "Als wir angefangen haben, hatten wir nichts zu verlieren." Dass Introversion seinen Grundsätzen untreu werden könnte, schließt er jedoch gänzlich aus: "Eher explodieren wir, als dass wir uns verkaufen."

Laut Julian Eggebrecht vom Studio Factor 5 ist der PC die einzig demokratische Plattform in der Spieleentwciklung - auch Morris empfiehlt, vorerst für den PC zu entwickeln.

(futurezone | Nadja Igler aus Leipzig)