AT&T soll Pearl Jam zensuriert haben
Bei der Übertragung des Pearl-Jam-Sets vom Lollapalooza-Festival hat AT&T Leadsänger Eddie Vedder auf stumm gestellt, als dieser gegen Präsident George W. Bush lästerte. Eine Steilvorlage für Befürworter der Netzneutralität, die AT&T nun Gatekeeper-Allüren vorwerfen.
Wie verschiedene US-Medien am Mittwoch meldeten, hat AT&T am vergangenen Sonntag in der Videostream-Übertragung des Pearl-Jam-Auftritts auf dem Lollapalooza-Festival den Ton abgedreht, als Sänger Eddie Vedder während des Lieds "Daughter" die Zeilen "George Bush, leave this world alone" und "George Bush, find yourself another home" sang.
Der Telekommunikationskonzern, einer der Hauptsponsoren des Festivals, hat dieses Faktum bereits zugegeben, sich aber auf den Standpunkt zurückgezogen, dass es sich dabei um einen Fehler gehandelt habe.
Verzögerte Übertragungen
Gegenüber der "Los Angeles Times" sagte eine Sprecherin von AT&T, der Konzern verzögere zwar die Übertragungen zeitlich, damit Angestellte "übertriebene Schimpfwörter" herausfiltern könnten, bei Vedders Liedzeilen habe es sich aber nicht um eine solche Beschimpfung gehandelt. Sie entschuldige sich für den Vorfall und kündigte an, dass AT&T auf seiner Lollapalooza-Site den Clip ohne den Fehler zur Verfügung stellen werde, wenn es von Pearl Jam die Erlaubnis dafür erhalte.
Die Macht der Konzerne
Auch die Band selbst will das Video unzensiert auf ihre Website stellen, wie sie am Mittwoch im News-Bereich ihres Angebots mitteilte. Pearl Jam bringt von sich aus das Thema Netzneutralität ins Spiel. "Das Vorgehen von AT&T ist bedenklich angesichts der Macht, die Konzerne darüber ausüben, was wir in den Medien sehen können", heißt es auf der Site der Band.
In der Tat kämpfen AT&T und andere Großprovider seit geraumer Zeit dagegen, dass in den USA die "Netzneutralität" in Gesetze gegossen wird. Sie würden gerne von erfolgreichen Konzernen wie Google und Amazon mehr Wegegeld auf ihren Netzen verlangen. Das wiederum würde bedeuten, dass Daten bevorzugter Konzerne gegenüber anderen privilegiert wären. Start-ups hätten dann gegenüber Großkonzernen keine Chance mehr.
So ist es kein Wunder, dass die Befürworter der Netzneutralität der Initiative "Save The Internet" in ihrem Weblog den Vorfall gegen AT&T als Zensurversuch in Stellung bringen. Fehler oder nicht: Die Aufregung über den mehr oder weniger beabsichtigten Tonausfall zeigt, wie angespannt die Lage in der US-Internet-Szene bezüglich der Netzneutralität ist.
