Gemeinsam für alle

05.08.2007

Immer mehr Künstler und Intellektuelle nutzen die Creative-Commons-Lizenzen dazu, das Wissen der Netzgemeinde zu vermehren - und ihre Arbeit schnell und einfach weltweit bekannt zu machen.

Vergangenen Oktober hatte Tamara Barnett-Herrin aus London keine Lust mehr, Demo-CDs mit ihren Liedern aufzunehmen und an Musiker und Musikproduzenten zu schicken, von denen nie eine Antwort kam.

Sie beschloss, ihre Songs mit eigener Klavierbegleitung auf dem eigenen Computer aufzunehmen und zum Anhören und Remixen ins Internet zu stellen. Und zwar unter einer Creative-Commons-Lizenz, die freie Verwendung bei Namensnennung und nicht kommerzieller Nutzung erlaubt.

Kreative Knotenpunkte

"Calendar Songs" hat Barnett-Herrin ihr Projekt genannt, denn jeden Monat stellt sie ein neues Lied auf ihre Website, das von Erlebnissen und Empfindungen des abgelaufenen Monats inspiriert wird. Rund 100 Remixes und eine Reihe von Videos haben andere bisher beigesteuert. Am Ende soll daraus eine gemeinsam produzierte CD entstehen.

"Calendar Songs" ist einer der bisher 26 "nodes", also Knoten, die in den vergangenen Wochen bei "iCommons" gebildet wurden. Die internationale Organisation, die aus der Creative-Commons-Initiative entstanden ist, möchte die gemeinsame Produktion von Wissen und Kultur über das Internet und die Schaffung eines digitalen Gemeinguts fördern.

Unconferences

Unter den "nodes" von iCommons findet sich zum Beispiel die Idee von Kiruba Shankar aus Indien, gemeinsam ein Buch über "Unconferences" zu schreiben - also Konferenzen, die von einer Gemeinschaft organisiert und gehalten werden statt von einer wissenschaftlichen Institution oder Universität. Oder der Wunsch von Jamison Young aus Australien, eine Sammlung von Veranstaltungsorten anzulegen, die für Künstler zur Verfügung stehen soll, die sich ihre Auftritte selbst organisieren.

Oder der Knoten "Photo Commons" des Internet-Unternehmers und Creative-Commons-Vorstandsmitglieds Joi Ito, der Workshops, Tutorials und Erfahrungsaustausch für Fotografen - egal ob Profi oder Amateur - ermöglichen soll. Ito hat beim iCommons summit in Dubrovnik Mitte Juni ein weiteres Fotoprojekt gestartet - beziehungsweise sein Einmannprojekt zu einer offenen Bewegung ausgebaut. Es trägt den Namen "Free Souls" und soll das Problem der schlechten Fotos von berühmten Menschen in Wikipedia lösen.

Freie Fotografie

Ito: "Ich bin bei vielen Konferenzen und treffe eine Menge Leute, von denen es Fotos von sehr schlechter Qualität in Wikipedia gibt. Ich habe also begonnen, diese Leute zu fotografieren und ihre Fotos in Wikipedia auszutauschen. Ich hatte das Gefühl, auf einer Mission zu sein - als ob ich sie befreien würde, denn sie wollen ja auch, dass ihre Fotos gut aussehen."

"Ich habe dann begonnen, alle bekannten Leute zu fotografieren und die Fotos auf Flickr unter einer Creative-Commons-Lizenz für Artikel und Blogs zur Verfügung zu stellen. Ich erzählte Larry Lessig davon, und er meinte: Tu dich doch mit anderen zusammen und starte eine Bewegung. Du könntest sie 'Free Souls' nennen."

"Matrix" - heute Abend in Ö1

Hören Sie den Radiobeitrag zu dieser Geschichte am Sonntag, 23.30 Uhr, im Ö1-Magazin "Matrix".

(matrix | Sonja Bettel)