29.01.2004

ZUM ABSCHIED

Universal-Chef kritisiert Musikbranche

Tim Renner, der scheidende Deutschland-Chef von Universal Music, scheint zum Abschied noch einmal reinen Tisch machen zu wollen und hat die Online-Strategie der Musikindustrie scharf kritisiert.

Die Musikbranche habe zu Beginn "nur die Gefahren und nicht die enormen Chancen des Internets gesehen", so Renner. Dabei sei das Internet vielmehr "ein Gottesgeschenk, da jeder Mensch dort Musik nach seinem Geschmack finden kann".

Dieses Potenzial sei in der Branche nicht ausreichend erkannt worden. "Die Musikindustrie hat das Problem einer Industrie, der es zu gut gegangen ist."

Konzernzentralen am Zug

Renner hält seinen Kollegen in der Musikindustrie zudem vor, die Rechte über einzelne Musikstücke "unsinnigerweise in lauter kleine Häppchen" aufzuteilen.

"Das macht die Filmindustrie anders. Auch die Musikindustrie muss erkennen, dass sie eine Rechte-Industrie ist."

Da das Internet im Guten wie im Schlechten international sei, wäre es laut Renner an den Zentralen der Konzerne, die Online-Vermarktung voranzutreiben.

Auch die kleinen Labels würden von der neuen Vertriebsschiene profitieren, weil die Musikdistribution durch den Internet-Vertrieb "demokratischer" werde.

Betreiber von Download-Plattformen kritisieren schon länger die Schwerfälligkeit der europäischen Musikindustrie.

Durch das Fehlen einer europaweit einheitlichen Regelung zur Lizenzierung von Musik konnten weder Apple [iTunes] noch Roxio [Napster] ihre Shops bisher auf Europa ausdehnen.

Verträge müssen erst mühsam von Land zu Land ausgehandelt werden, hinzu kommen unterschiedliche technische Standards [etwa beim Online-Bezahlen].