Festnahmen nach Bilanzskandal
Im Skandal um die italienische Softwarefirma Finmatica ist es am Samstag zu ersten Festnahmen gekommen.
Der bis Donnerstag als Präsident der Gruppe tätige Pierluigi Crudele und der Geschäftsführer der Firma, Fabio Bottari, wurden unter Hausarrest gestellt, berichtete das Staatsfernsehen RAI unter Berufung auf Ermittlerkreisen.
Crudele, Bottari und weitere fünf Manager der Firma waren in den Sog der Ermittlungen wegen angeblicher Falschangaben in der letzten Bilanz und in Quartalsberichten sowie Kurstreiberei geraten.
Crudele ist mit einem Anteil von 55,5 Prozent Mehrheitsaktionär der börsennotierten Firma, deren Aktien seit Dienstag vom Handel ausgesetzt sind. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Emission einer Anleihe im Wert von 55 Millionen Euro, die zunächst lanciert und am 7. Jänner wieder annulliert worden war. Geprüft werden auch verdächtige Fondseinlagen von Finmatica.
FinmaticaErmittlungen
Die Büros des am Segment "Nuovo Mercato" [Neuer Markt] notierten Unternehmens wurden in Brescia durchsucht. Auch ein Bankkonto von Finmatica mit 20 Millionen Euro wurde eingefroren.
Verluste im Wert von mehreren Millionen Euro sollen in der Jahresbilanz 2002 und in den Quartalsberichten 2003 vertuscht worden sein, berichteten die Ermittler.
Auch Schulden, die der Software-Konzern bei mehreren Banken hatte, wurden mit Bilanztricks verheimlicht, hieß es im von den Ermittlern erlassenen Durchsuchungsbefehl der Büros in Brescia.
Die Festnahme der Finmatica-Manager ist ein weiterer Schlag für die Glaubwürdigkeit der italienischen Finanzmärkte nach dem Skandal um die Insolvenz des Lebensmittelkonzerns Parmalat. Regierungschef Silvio Berlusconi versprach am Samstag einen verstärkten Einsatz seines Kabinetts zum Schutz der Anleger, die nach den Skandalen der letzten Wochen ihr Vertrauen in das Finanzsystem des Landes verloren zu haben scheinen.
