Der gläserne Fußballfan kommt
Die Fußball-Europameisterschaft 2004 und die Weltmeisterschaft 2006 werden nur Besuchern offen stehen, die im Vorfeld ihre Daten preisgeben.
Der anonyme Stadionbesuch wird schon bei der diesjährigen EM in Portugal nahezu ausgeschlossen sein, bei der WM 2006 in Deutschland soll das System dann durch den Einsatz von Funkchips in den Tickets offensichtlich perfektioniert werden.
Die Tickets für die EM können mit einem offiziellen Bestellschein und dem zwingend dazu gehörenden Personalbogen unter anderem beim Deutschen Fußball Bund [DFB] - Österreich nimmt an dem Turnier nicht Teil - geordert werden, der die Karten im Auftrag der UEFA vertreibt.
Dazu muss ein Formular mit den Namen, Adressen, Telefonnummern und Nationalitäten aller potenziellen Besucher - wegen der regen Nachfrage werden die Tickets per Los zugewiesen - per Post bis zum 11. Februar an den DFB geschickt werden.
Das Formular für bis zu vier Personen kann per PDF aus dem Netz geladen und ausgedruckt oder per Post angefordert werden. Die EM findet von 12. Juni bis 4. Juli in Portugal statt.
EM 200420.000 registrierte Fans im Stadion
Da jedes Ticket eine Seriennummer erhält und die Fans dazu verpflichtet sind, sich auf Aufforderung beim Stadionbesuch auszuweisen, wäre schon das Ticketsystem zur EM theoretisch vor Fälschungen und Schwarzmarktpraktiken gefeit:
Ist der Name des Besuchers nicht registriert, dann kann er sein Ticket auch nicht auf legalem Weg erhalten haben.
Der lückenlosen Kontrolle steht allerdings die schiere Zahl der Besucher als praktisches Problem im Weg.
Der Aufdruck der Namen auf das Ticket ist "nach derzeitigem" Stand nicht vorgesehen.
Tickets für die EM 2004 über den DFBFunkchips ab 2006
Zur WM 2006 sollen die Tickets außerdem mit Funkchips [Radio Frequency Identification, RFID] ausgestattet werden.
Auch mit dieser Maßnahme soll Fälschungen entgegengewirkt werden, außerdem wäre die Identitätskontrolle der Besucher damit wesentlich einfacher zu gestalten:
Der Chip könnte die Karte automatisch einer Person zuweisen, die dann ohne den richtigen Ausweis das Stadion nicht betreten dürfte.
Nebeneffekt Datensammlung
Als Nebeneffekt der neuen, personalisierten Zugangskontrollen erhalten die Veranstalter auch noch eine aktuelle Datensammlung aller Besucher:
So stimmt man beim Ticketkauf zur EM via DFB mit dem Ausfüllen des - zwingend erforderlichen - Formulars automatisch zu, dass die Daten auch für Marketingzwecke verwendet und dazu auch an "sorgfältig ausgewählte" Dritte weitergegeben werden können.
Die Zustimmung ergibt sich verwirrenderweise aus dem Zusammenspiel von zwei verschiedenen Blöcken des klein Gedruckten - beim DFB gibt man immerhin zu, dass dies "unglücklich" aussehe.
Die Verwendung der Daten bezieht sich außerdem nicht etwa nur auf die Glücklichen, die auch wirklich Karten zugeteilt bekommen, sondern auf alle "Antragsteller".
Will man nicht, dass seine Daten für etwas anderes als "Sicherheitsbelange" verwendet werden, muss man das irgendwie jenseits der Formularfelder vermerken, da reguläre Felder dafür fehlen.
