16.12.2003

ORAKEL

Virtuelle Schauspieler 2008 rentabel

Die internationale Filmindustrie steuert nach Ansicht des Special-Effects-Experten Marc Weigert auf eine technisch bedingte Trendwende zu.

"Die Art und Weise, wie Filme hergestellt werden, ändert sich zurzeit vor allem bei den Großproduktionen drastisch", sagte der in Los Angeles lebende Deutsche mit Verweis auf Kinohits wie "Herr der Ringe".

Der Einsatz von computergestützten visuellen Effekten, bei denen die Aufnahmen echter Schauspieler in eine virtuelle Landschaft eingebettet werden, erlaube bessere und kostengünstigere Produktionen.

"Es wird nicht mehr so lange dauern, dann könnte man auch die Schauspieler durch lebensecht wirkende Figuren aus dem Computer ersetzen", sagte Weigert voraus.

Der Filmemacher, dessen Partner Volker Engel für Spezialeffekte bei Roland Emmerichs "Independance Day" mit einem Hollywood-Oscar ausgezeichnet wurde, rechnet mit ein bis zwei Jahren. "Dann ist es technisch machbar, aber noch nicht rentabel."

Chancen für neue Studios

Weigert ist aber überzeugt, dass der rentable Einsatz virtueller Schauspieler in spätestens fünf bis sechs Jahren erreicht sein wird: "Dann brauchen wir keinen Schwarzenegger mehr, sondern basteln uns den Alain Delon des Jahres 2004. Die Zeit der Supergagen für die Schauspieler wäre dann vorbei. Wir reden noch von Zukunftsmusik, aber wir sind schon sehr, sehr nahe dran."

Als Konsequenz sagte er den großen Studios wachsende Konkurrenz durch kleine, unabhängige Unternehmen voraus, die den Mut für Neues haben.

Ein Flopp

Mit "Final Fantasy - Die Mächte in Dir" kam bereits 2001 die erste Produktion auf die Leinwände, deren "lebensechte" Darsteller vollständig aus dem Computer kamen.

Der Streifen konnte allerdings weder die Kritiker noch das breite Publikum überzeugen, wobei sowohl die Handlung als auch die Animationen keinen großen Anklang fanden.