Stereoanlage vom Aussterben bedroht
Der stetige Auftrieb digitaler Musik verändert nicht nur die Distributionskanäle, sondern auch das Hörverhalten der Konsumenten.
Waren die Wohnzimmer bisher üblicherweise mit Hi-Fi-Türmen, Verstärkern, Radios und CD-Playern voll gestopft, setzt man nun auf den Computer und 5.1-Soundsysteme als musikalische Schaltzentrale.
Im ersten Halbjahr 2003 gingen die Umsätze mit Musik-Abspielgeräten [ausgenommen MP3-Player] um ein Drittel zurück. Wurden vor fünf Jahren noch eine viertel Mio. Hi-Fi-Geräte in den USA verkauft, schrumpft diese Zahl in diesem Jahr auf ein Zehntel davon.
Musikfans in den USA kaufen inzwischen fast doppelt so viele einzelne Songs über das Internet wie CD-Singles im Handel.
Musik-Downloads schlagen CD-SinglesDas Ende des Albums?
Mit dem Trend zum Einzel-Download scheint auch das Prinzip des Albums als Gesamtkonzept verloren zu gehen.
Seit Einführung der Langspielplatte 1950 werden die Songs in bestimmter Abfolge auf den Tonträgern arrangiert. Auch die Kombination von Musik und grafischer Gestaltung des Covers spielten eine große Rolle.
Doch beim Downloaden liegt der Schwerpunkt bei jedem einzelnen Track. Statt sich zum Album-Basteln monatelang in ihren Tonstudios zu verbarrikadieren, könnten die Künstler in Zukunft mehr auf kontinuierlich veröffentlichte einzelne Songs setzen.
Das könnte langfristig das Ende des wohl durchdachten Albums bedeuten.
Booklets
Doch viele Konsumenten vermissen mit der Digitalisierung die
Besonderheiten [Textbook, Artworks] der physischen Tonträger und
bevorzugen weiterhin den Kauf von CDs. Die Musikindustrie sucht
derzeit nach einem Weg, die Vorteile von Album und bequemen
Einzel-Downloads zu vereinen.
Neue Formate sollen CD-Single rettenOnline-Handel erst am Anfang
Die Musikindustrie weist traditionell eine lange Reaktionszeit beim Beschreiten neuer Wege auf.
Befürchtete man schon mit der Verbreitung des Radios Umsatzrückgänge und Gewinneinbußen - das Gegenteil war der Fall -, freundet man sich nun auch nur langsam mit dem Online-Handel an.
In Österreich startete erst Mitte Oktober die erste legale Musikplattform - bisher mit bescheidenem Erfolg.
Einen Monat nach dem Start gab der Betreiber Telekom Austria eine erste Bilanz bekannt. Demnach haben sich bisher rund 1.000 Nutzer für den Dienst registriert, 1.500 Musiktitel wurden heruntergeladen.
Erste Bilanz der Aon-Musikplattform
